Perspektive und Zoom
 


Wie viel Zoom braucht der Mensch?

In der Werbung werden häufig schöne junge Damen gezeigt, denen man sich mittels Zoom bis auf Kussdistanz nähern kann.
Manche Fotografen benutzen das Zoom tatsächlich nur, um sich einige Schritte zu ersparen.

Das ist aber für mich nicht der Grund, mit den verschiedenen Brennweiten zu spielen! Die enorme Wirkung auf die Perspektive reizt mich viel mehr!
Hier ein überzeugendes Beispiel, aufgenommen in Hannover. Es zeigt übrigens die Marktkirche (1335) und die "Göttinger Sieben", die 1837 gegen König Ernst August protestiert haben.

Umwerfend, wie der Kirchturm von Bild zu Bild scheinbar an Größe zunimmt .... obwohl ich doch immer weiter zurückgegangen bin! Dabei habe ich dann die Brennweite so verändert, dass die Kirche (zumindest bei den letzten drei Bildern) immer etwa Bildhöhe hatte.
Man beachte auch, dass das auf dem letzten Bild doch sehr störende rote Haus auf dem 3. Bild praktisch unsichtbar ist! Hier kommen sowohl das Denkmal und der Kirchturm gut zur Geltung. 90 mm (und der entsprechende Standort) wäre also für dieses Motiv die optimale Brennweite!

Mit allen diesen Bildern will ich auch zeigen, was mit einer simplen 3x Zoom Kamera möglich ist!

(Die Aufnahmen entstanden mit der Fuji 602, ihr 210 mm Tele wurde aber nicht eingesetzt!)


ca. 36 mm

 


ca. 75 mm

 


ca. 90 mm

 


ca. 108 mm

Anmerkung für Theoretiker:
Die Perspektive (Verhältnis Vordergrund zu Hintergrund) ist nur von der Entfernung der verschiedenen Gegenstände von der Kamera abhängig. Wäre das letzte Bild z.B. mit 28 mm Weitwinkel aufgenommen worden, dann wäre die Kirche ebenfalls sehr viel größer als das Denkmal. Nur wäre noch viel mehr von der Umgebung mit drauf. Eine Ausschnittvergrößerung würde aber exakt so aussehen, wie das obige Bild! Das Tele-Objektiv macht diese nachträgliche Ausschnittvergrößerung überflüssig, ändert aber nicht die Perspektive!


Digital-Tele

Je mehr MP, um so stärkere Ausschnittvergrößerungen (= Digital-Tele) sind möglich. 
Das folgende Bild wurde 2005 vom letztem Standpunkt aus mit der F10 und Digital-Tele aufgenommen. Es ist ein 1:1 Ausschnitt aus einem 1280 x 960 Pixel großem Bild ... das dann einem 325 mm Tele entspricht!

Bei  einem Foto mit einer 12x Superzoom-Kamera wäre es sicherlich möglich, eine Ziffer der Uhr formatfüllend herauszuvergrößern! Aber entgeht mir da wirklich etwas?


Und nun zum Thema Weitwinkel.

 

Warum ist ein 28er deutlich besser als ein 38er "Weitwinkel"?

Vielen Käufern erscheint der "kleine" Unterschied zwischen 28 mm und 38 mm lächerlich gering. Sie kaufen lieber eine 10x Zoom-Kamera, die nicht 28 - 280 mm sondern 38 - 380 mm-Tele bietet. Dabei ist in beiden Fällen der Vergrößerungs-Effekt auf das Motiv gleich! Der hängt nämlich nicht von der Zahlen-Differenz sondern dem -Verhältnis ab.

Angenommen, man will dieses Motiv (Landschaft bei Badaling) durch einen Torbogen hindurch aufnehmen. Mit einem 28er Weitwinkel könnte man viel näher an den Torbogen herangehen als mit 38mm  ... und dann würde man mehr als nur einen einzigen Gipfel sehen!

Die Große Mauer bei Badaling (China)



Ein anderes Beispiel kennt jeder: Eine große gesellige Runde soll möglichst vollzählig fotografiert werden. Zum einen kann man häufig nicht weiter zurück und zum anderen würden dann von den seitlich sitzenden die Gesichter nicht zu sehen sein! Da hilft nur ein Weitwinkel-Objektiv mit mindestens 28 mm und dicht ran an die Runde!

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Der Unterschied zwischen 28 mm und 35 mm ist - was die Perspektive angeht - bei den meisten Bildern nicht umwerfend. Wenn ich zwei Schritte weiter zurückgehen kann (was allerdings oft nicht möglich ist), dann sind die Bilder für den Laien nicht von 28mm-Bildern zu unterscheiden. Bei Motiven, die praktisch nicht in der Tiefe gestaffelt sind (Personengruppe vor einer Wand; Häuserzeile) sind die beiden Bilder sogar identisch.

Für einen wirklichen Weitwinkel-Eindruck muss es schon mindestens ein 24mm-Objektiv sein, mit dem man möglichst dicht an sein Motiv herangeht.
 



(Simuliertes) Superweitwinkel
 

Alle Supertele-Fanatiker sollten sich mal das folgende Bild ansehen! Es zeigt mein "Büro", aufgenommen mit einem 38 mm "Weitwinkel". Weiter zurück konnte ich nicht!
Wenn man mit der Maus über das Bild geht, erscheint ein (simuliertes) 17 mm Weitwinkel-Bild, aufgenommen vom gleichen(!) Standort!
Wer nun immer noch mit dem "Tunnelblick" von 38 mm "Weitwinkel" zufrieden ist, dem ist nicht mehr zu helfen!
 

 

Zweites Beispiel

Das "Alte Rathaus" in Hannover kann man nur von der gegenüberliegenden Straßenseite aus fotografieren. Weiter darf man nicht zurück, wenn das Gebäude unverstellt gezeigt werden soll.
Mit einem 36 mm "Weitwinkel" sieht das dann so aus wie auf meinen üblichen Testbildern (Bild rechts).
Um das Gebäude in voller Schönheit aufzunehmen, muss man schon ein Superweitwinkel-Objektiv besitzen.
Aber es gibt eine Alternative! Drei 36 mm Hochformat-Aufnahmen mit der F11 wurden hier einfach mit einem geeigneten Programm zusammengesetzt. Durch weitere Bilder wäre sogar ein Breitformat-"Panoramabild" möglich gewesen!
Das Bild habe ich dann noch entzerrt. →Hinweis

Wer in Hannover ist, kann ja mal probieren, ob er mit seiner SLR ein besseres Bild zustande bekommt! Ein 28 mm Objektiv reicht jedenfalls nicht!



Echte Superweitwinkel-Fotos

Das Zusammensetzen von Einzelfotos stößt aber an seine Grenzen bei Motiven, die nicht beliebig lange unbeweglich herumstehen. Dann ist ein echtes Weitwinkelobjektiv (unter 24 mm) nötig und es geht kein Weg an einer D-SLR vorbei!

Das rechte Foto wurde übrigens mit (umgerechnet) 75 mm aufgenommen. Bei 200 mm hätten die Schuhe noch viel kleiner gewirkt.

 

Superweitwinkel Tele


Fotos: Karsten Skrabal
Internetpräsenz des ambitionierten Hobbyfotografen




Fischaugen-Objektiv

Nach völlig anderen optischen Regeln arbeiten die sog. Fischaugen-Objektive. Sie können auch 180° erfassen. Im Gegensatz zu einem "normalen" Superweitwinkel-Objektiv sind hier geraden Linien mehr oder weniger stark gekrümmt. Nur die Linien in Bildmitte sind gerade.
Im Extremfall erzeugen die Objektive ein kreisförmiges Bild!

Das obige Bild meines Büros kann von PTGui auf Wunsch auch nach diesen Regeln verzerrt werden. Wichtig: das ist keine "Verzeichnung", sondern eine gewollte "Verzerrung"!



Extreme Tele-Objektive

Es gibt allerdings Motive, wo ein größeres Teleobjektiv als 3x Zoom sinnvoll ist!

Foto mit der Fuji 602 mit 210 mm Tele
Motive, an die ich nicht näher herankommen kann, aber gerne formatfüllend aufnehmen möchte.

Beispiele:
Tierfotos in freier Wildbahn
Sportfotos ...

Allerdings hilft da notfalls auch schon ein Digitalzoom!

 


Ein Digitalzoom hilft aber überhaupt nicht, wenn man ein Motiv vor einem unscharfen Hintergrund freistellen will. Nur ein Tele mit mindestens (umgerechnet) 150 mm Brennweite hat solche geringe Schärfentiefe.

 

Wenn aber deutlich mehr als 400 mm bei höchster Bildqualität gefordert wird, geht wieder kein Weg an einer D-SLR vorbei!
Dann gibt es (fast) keine Grenzen mehr.  (→ "Was würde ich mir kaufen?")

 


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Letzte Überarbeitung:28.02.2007