Kameras mit Wechselobjektiven
 
Seit "analogen" Zeiten gibt es verschiedene Kamera-Typen, bei denen das Objektiv gewechselt werden kann (u.a. die Leica).
Die sog. Einäugigen Spiegelreflexkameras (eng.: SLR) waren damals aber die einzigen, die das Motiv durch das Objektiv (ohne Parallaxe) zeigen konnten. Das kann heute jede Digitalkamera!
Ganz bewusst rede ich deshalb hier nicht von "Spiegelreflex-Kameras", denn denkbar ist bei Digitalkameras auch eine Konstruktion mit Monitorsucher und beweglichem Monitor als Sucher .... vielleicht ist das sogar die Zukunft?
Für viele Anwendungen (z.B. Video, Live-Histogramm usw.) ist nämlich der Spiegel im Wege!
Das Problem lässt sich zwar durch einen hochklappbaren Spiegel lösen. Aber dann sind zumindest für diese Anwendungen die hohen Kosten für Spiegel und Umlenkprisma ein unnötiger Aufwand! Außerdem wird der sehr schnelle SLR-Autofokus totgelegt! (sh. Hinweis)
Henner, 07.04.2006


Welche Typen gibt es?

  • Reine Spiegelreflex-Kameras
    Video und Live-Monitor sind technisch nicht möglich
     
  • Hybrid-Kameras (Spiegelsucher und Live-Monitor)
    Durch Wegklappen des Spiegels wird der Sensor - wie bei allen kleinen Digitalkameras - direkt benutzt, um den (beweglichen) "Live-Monitor" zu versorgen. Video ist möglich (aber nicht immer realisiert).

     
  • Kameras ohne Spiegel
    Durch den Wegfall des Spiegels können sehr viel kürzere und leichtere Objektive eingesetzt werden, die die Problematik der Kamera-Sensoren besser berücksichtigen. Sie erwarten nämlich möglichst senkrechten Lichteinfall = Hinterlinse möglichst groß und im geringen Abstand vom Sensor. Normale Objektive (der gleichen Firma) können nur mit Hilfe einer Verlängerung verwendet werden, da die Kameras nur noch halb so "dick" sind.
    Video ist problemlos möglich.
    Hier werden die Vorteile des großen Sensors, die kompakte Größe von Bridge-Kameras und die Möglichkeit, das Objektiv zu wechseln kombiniert ... ohne die Nachteile einer SLR.
    Bisher gab es nur sog. 4/3 MICRO-Kameras; Samsung hat inzwischen eine Kamera mit APS-Sensor auf den Markt gebracht.
    Es ist nicht verwunderlich, dass dieser Kameratyp von "Außenseitern" entwickelt wird. Canon und Nikon wollen sich nicht durch eine völlig neue (kürzere) Objektivserie die mühselig aufgebaute Kundenbindung gefährden.

    Es gibt drei unterschiedliche Konstruktionen.
     
    • Monitorsucher-Kameras
      Diese Kameras entsprechen den "normalen" SLRs, haben aber keinen Spiegel- sondern einen hochauflösenden Monitorsucher.
       
    • Kameras ohne Monitorsucher
      Sie arbeiten - wie fast alle Kompaktkameras - nur mit einem (großen) Monitor als Sucher. Dadurch sind noch kleinere und leichtere Kameras möglich. Als "Zubehör" kann bei einigen ein Monitorsucher auf den Blitzschuh geschoben werden.
       
    • Sucher-Kameras
      Kameras für Nostalgiker, die mit modernen "Teufelskram" nichts am Hut haben und nur einen optischen Sucher haben wollen, der entsprechend der Brennweite des Objektivs umgeschaltet wird.

Welche Sensor-Größen gibt es?

  • Sensor in KB-Größe.
    Hier können alle KB-Objektive (der gleichen Firma) mit ihrer Nennbrennweite verwendet werden. Die Bildqualität ist so gut, dass sie  - zumindest bei hohen ISO-Werten -  selbst einen Vergleich mit konventionellen Mittelformat-Kameras nicht zu scheuen braucht. Da kann kein konventionelles Filmmaterial mithalten!
     
  • APS-Sensor.
    Durch den kleineren Sensor verlängert sich die Brennweite der Objektive (28-200 mm wird 42-300 mm ...). "Standard-Brennweite" ist 31 mm anstatt 50 mm bei KB.
    Wegen des kleinen APS-Sensors ist nur noch ein kleiner Schwingspiegel nötig. Deshalb können Spezial-Objektive konstruiert werden, die aber nicht mehr in "normalen" Spiegelreflex-Kameras eingesetzt werden können.
    Aber auch alle bisherigen Objektive können eingesetzt werden. *)

     
  • 4/3-Sensor.
    Eine völlig neue Konstruktion, bei der nur spezielle Objektive nach einer neuen Norm verwendet werden können. Der Verlängerungsfaktor ist 2,0. Panasonic und Olympus bieten Modelle an. Preiswerte "Fremdobjektive" gibt es bisher nicht. Allerdings sind für 4/3 MICRO-Kameras (wegen der kürzeren Bauweise) Adapter für Fremd-Objektive denkbar.

 __________________

*)
Viele preiswerte alte Wechselobjektive nutzen die Auflösung des  APS-Sensors nicht voll aus. Sie wurden ja für das volle KB-Format und die üblichen 200 ISO-Filme konzipiert! Und wer hat schon Zoom-Objektive ab 15 mm Brennweite (= 28 mm)? Von noch stärkeren Weitwinkel-Objektiven ganz zu schweigen!
Das Argument der "Weiterverwendung der vorhandenen Objektiv-Sammlung" ist also fragwürdig!


Welche Vorteile haben Kameras mit Wechselobjektiven?

  • Extreme Weitwinkel- und Teleobjektive können eingesetzt werden (Vorausgesetzt, es gibt entsprechende Objektive für den Kameratyp ... und ich kann sie mir leisten!)
  • Aufgrund ihres größeren Sensors sind sie selbst bei hohen ISO-Werte relativ rauschfrei! Ich kann deshalb auch bei extrem ungünstigen Lichtverhältnissen mit kurzen Belichtungszeiten fotografieren. Zusätzlich kann ich noch ein lichtstarkes 1:1,4 Festbrennweiten-Objektiv nutzen (Hinweis).
  • Wenn ein Objektiv meinen inzwischen gewachsenen Ansprüchen nicht mehr genügt, kaufe ich mir einfach ein anderes.
  • Ich kann meine teuren Objektive auch in der nächsten Kamera-Generation weiter verwenden ... wenn ich beim gleichen Kamera-Hersteller bleibe.
    Erkennst du die Falle? Deshalb gibt es von jedem Hersteller billige Einsteiger-SLRs!
  • Wegen der prinzipbedingten längeren Brennweite kann ich mehr Einfluss auf die Schärfentiefe nehmen.
  • (nicht ganz ernst gemeint:) Man wird von anderen Knipsern sofort nach vorne durchgelassen, weil man für einen Pressereporter gehalten wird.

Aber alle diese Vorteile hätten auch Kameras ohne Spiegelreflex-Sucher!

... und welche Nachteile?

  • Sie kosten (mit den entspr. Objektiven!) sehr viel mehr als die besten "Bridge-Kameras".
  • Sie sind (mit den entspr. Objektiven) sehr viel größer und schwerer als gute "Bridge-Kameras"
  • Für Makro-Aufnahmen  ist ein extra Objektiv fällig. (viele anderen Digitalkameras können das! → Beispiel)
  • Sie erfordern sehr viel bessere (teure) Objektive als Kameras mit fest eingebautem Objektiv, da eine Korrektur der Verzeichnung, Randabdunklung usw. in der Kamera nicht möglich ist.
  • Durch den (technisch notwendigen) Schlitzverschluss ist eine Blitzsynchronisation mit sehr kurzen Belichtungszeiten nicht möglich.
  • Selbst Kameras ohne Spiegel können nicht völlig lautlos auslösen wie Kompaktkameras.
  • Beim Objektivwechsel kann Staub auf den empfindlichen Sensor gelangen.
  • Der eingebaute Blitz kann bei Teleobjektiven nicht benutzt werden, weil die voluminösen Objektive das Motiv abschatten. Bridge-Kameras haben da kein Problem.

Der Spiegelreflex-Sucher bringt zahlreiche weitere →Nachteile!



An dieser Stelle war früher eine Zusammenstellung aller Kameras, bei denen das Objektiv gewechselt werden kann.
Um nicht ständig aktualisieren zu müssen, beschränke ich mich jetzt auf einige Bemerkungen zur aktuellen Entwicklung.

  • Olympus kündet das 4/3 MICRO System (Wechseloptik ohne Spiegel) an (8.2008)
  • Die Nikon D90 bietet als erste SLR auch Video (08.2008)
  • Samsung kündigt APS-Wechseloptik-Kameras ohne Spiegelsystem an (09.2008).
  • Die Profi-SLR Nikon D3X hat 24,5MP (12.2008)
  • Die Baby-SLR Canon 500D bietet HD-Video (03.2009)
  • Die "spiegellose" Panasonic GH1 bietet 4/3-Multiformat-Sensor und 1080p HD-Video (03.2009)  Meine "Weissagung" von 2004 ist wahr geworden!


Mehr zum Thema Spiegelreflex- und Großformat-Kameras bei:
http://www.students.uni-mainz.de/sprec000/Digicam7.html

Alle aktuellen Modelle und deren Spezifikationen findet man auf www.digitalkamera.de und der Website www.dpreview.com. Dazu "Cameras" und dann den entsprechenden Hersteller anwählen. In der dann erscheinenden Liste kann die ausführliche Spezifikation durch anklicken des jeweiligen Bildchens aufgerufen werden.

 

Preise vergleichen für aktuelle Spiegelreflexkamera-Modelle

 ↑ Nach oben


Die Objektive

Die Bildqualität aller dieser Kameras hängt natürlich entscheidend von dem jeweils verwendeten Objektiv ab. Hier einige allgemeine Hinweise:
  • Die mit den Kameras gelieferten "Kit-Objektive" haben oft nur 3x-Zoom und sind bei Tele sehr lichtschwach: Bei umgerechnet 88(!) mm nur Blende 5,6. Die Bildqualität ist zwar nicht schlecht, die Randschärfe lässt aber z.T. zu wünschen übrig.
  • Gute Zoom-Objektive mit Stabilisator kosten oft über 1000.- Euro!
  • Die sehr hohe Auflösung von Festbrennweiten-Objektiven wird nur von hochwertigen Profi-Kameras ausgenutzt. Bei Baby-SLRs mit 6MP liefern sie keine besseren Bilder als Zoom-Objektive.
  • Preiswerte "Reisezooms" (umgerechnet: 29-320 mm) sind (abgeblendet) im Weitwinkelbereich recht gut, Im Telebereich deutlich schwächer und außerdem lichtschwächer als vergleichbare Objektive von Bridge-Kameras. Bei offener Blende liefern sie z.T. nur die Auflösung von 3MP-Kameras! → Mehr Infos
  • Reisezooms mit durchgängig Blende 2,8 kosten über 1000.- Euro.

  ↑ Nach oben


Persönlicher Kommentar:



Niemand bestreitet die überragenden Eigenschaften einer Profi-SLR. Was mich aber ärgert, ist die Überheblichkeit mancher Besitzer von Baby-SLRs, die glauben, dass jede SLR auch bei 08/15 Familienfotos allen anderen Kameras  haushoch überlegen ist.

Wer kauft heute die Baby-SLRs? Die Fotoindustrie versucht uns einzureden, dass eigentlich jeder eine SLR benötigt. Alle anderen Kameras wären doch nur Spielzeug! Und so werden die Baby-SLRs zu mind. 50% von Amateuren gekauft, die damit nur ihre Familienfotos bei Sonnenschein machen. Dabei liefern bei solchen Motiven heutige Foto-Handys bereits Bilder, die akzeptable Ausdrucke bis zu A4 ermöglichen.
Mit einer guten Mini-Kamera mit z.B. 28 - 112 mm Zoom sind mindestens 98% aller üblichen Fotos möglich. Und das in einer Qualität, die ein Laie garantiert nicht von SLR-Fotos unterscheiden kann.
(→ Was würde ich kaufen?

Ich könnte es auch so formulieren:
Wer seine D-SLR nicht für Sportfotos bei schwierigen Lichtverhältnissen und/oder für wirklich extreme Weitwinkel- und Teleaufnahmen nutzt, nur das lächerliche Standard-3x-Zoom verwendet, nur mit Automatik / Motivprogrammen arbeitet und seine Bilder nur am TV-Bildschirm ansieht, der muss sich fragen lassen, warum er eigentlich eine SLR gekauft hat.
Welchen Vorteil hat sie für ihn, außer Unbedarfte zu beeindrucken?

Nach der ersten Begeisterung kaufen sich ohnehin viele SLR-Besitzer später eine kleine "Immer-dabei-Kamera" und lassen dann ihre SLR meist im Schrank .....
(→ Erfahrungsbericht)

Henner, 16.11.2008
 



Eine Anekdote aus vergangenen Zeiten

Die folgende Begebenheit habe ich selbst erlebt. Ehrlich! Sie ereignete sich zu Zeiten, als Belichtungsautomatiken noch nicht üblich waren.

Als ich während meiner Studienzeit bei meinem Fotohändler hereinkam, da erzählte der mir stolz, dass gerade ein zufriedener Kunde den Laden verlassen habe. Der hatte sich kürzlich eine SLR gekauft - weil alle seine Bekannten auch eine hatten. Aber er war dann ganz enttäuscht von seinen falsch belichteten und unscharfen Bildern. Mit seiner guten alten Box-Kamera hatte er viel bessere gemacht! Da wusste mein Fotohändler Rat. Er stellte die SLR (wie die Box) auf Blende 8; 1/100 Sek. und 3 Meter ein, verklebte die Einstellringe mit Tesafilm und empfahl, nur bei Sonnenschein zu fotografieren.
Und gerade hatte der Kunde seine neuen Fotos abgeholt, mit denen er wieder voll zufrieden war.

Sicherlich ist eine solche Radikal-Methode heute nicht mehr notwendig (es gibt ja schließlich Belichtungsautomatik und Autofokus), aber auch heute gilt noch, dass man sich nicht eine Kamera aufschwatzen lassen sollte, die man nicht wirklich benötigt.


Deshalb mein Tipp:

Wer nicht ganz sicher ist, dass er unbedingt eine SLR benötigt, sollte zunächst eine gute kleine Kamera kaufen. Nur wenn er dann nach einigen Monaten feststellt, dass er gerne Motive fotografiert, die er nur mit einer SLR bewältigen kann - und bereit ist, sie mitzuschleppen - erst dann sollte er sich eine kaufen. Dann wird er den Kauf nicht bereuen ... bis ein neues Modell auf den Markt kommt.


  ↑ Nach oben

Anzeigen:

Wenn dich diese Anzeigen interessieren, dann klick' sie an! Du unterstützt damit auch diese Website!

 


Startseite Stichworte Kameras Theorie Bi. bearbeiten Bi. betrachten

www.Henner.info
Letzte Überarbeitung: 13.06.2010