Kameras mit Wechselobjektiven
 
Seit "analogen" Zeiten gibt es verschiedene Kamera-Typen, bei denen das Objektiv gewechselt werden kann (u.a. die Leica).
Die sog. Einäugigen Spiegelreflexkameras (eng.: SLR) waren damals aber die einzigen, die das Motiv durch das Objektiv (ohne Parallaxe) zeigen konnten. Das kann heute jede Digitalkamera!
Ganz bewusst rede ich deshalb hier nicht von "Spiegelreflex-Kameras", denn denkbar ist bei Digitalkameras auch eine Konstruktion mit Monitorsucher und beweglichem Monitor als Sucher .... vielleicht ist das sogar die Zukunft?
Für viele Anwendungen (z.B. Video, Live-Histogramm usw.) ist nämlich der Spiegel im Wege!
Das Problem lässt sich zwar durch einen hochklappbaren Spiegel lösen. Aber dann sind zumindest für diese Anwendungen die hohen Kosten für Spiegel und Umlenkprisma ein unnötiger Aufwand! Außerdem wird der sehr schnelle SLR-Autofokus totgelegt! (sh. Hinweis)


Welche Typen gibt es?

  • Kameras mit Sensor in KB-Größe. Hier können alle KB-Objektive mit ihrer Nennbrennweite verwendet werden. Die Bildqualität ist so gut, dass sie  - zumindest bei hohen ISO-Werten -  selbst einen Vergleich mit konventionellen Mittelformat-Kameras nicht zu scheuen braucht. Da kann kein konventionelles Filmmaterial mithalten!
  • Kameras mit "APS-Sensor". Durch den kleineren Sensor verlängert sich die Brennweite der Objektive (28-200 mm wird 42-300 mm ...). "Normalbrennweite" ist 31 mm anstatt 50 mm bei KB.
    Wegen des kleinen APS-Sensors ist nur noch ein kleiner Schwingspiegel nötig. Deshalb können Spezial-Objektive konstruiert werden, die die Problematik der Kamera-Sensoren berücksichtigen. Sie erwarten nämlich möglichst senkrechten Lichteinfall = Hinterlinse möglichst groß und im geringen Abstand vom Sensor! Diese Objektive können aber nicht mehr in "normalen" Spiegelreflex-Kameras eingesetzt werden!
    Aber auch alle bisherigen Objektive können eingesetzt werden. *)
  • 4/3"-Kameras. Eine völlig neue Konstruktion, bei der nur spezielle Objektive nach einer neuen Norm verwendet werden können. Fa. Olympus ist hier sehr aktiv, aber auch Panasonic bietet Modelle an.

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*) Viele preiswerte alte Wechselobjektive nutzen die Auflösung des  APS-Sensors nicht voll aus. Sie wurden ja für das volle KB-Format und die üblichen 200 ISO-Filme konzipiert! Und wer hat schon Zoom-Objektive ab 15 mm Brennweite (= 28 mm)? Von noch stärkeren Weitwinkel-Objektiven ganz zu schweigen!
Das Argument der "Weiterverwendung der vorhandenen Objektiv-Sammlung" ist also fragwürdig!


Welche Vorteile haben Kameras mit Wechselobjektiven?

  • Extreme Weitwinkel- und Teleobjektive können eingesetzt werden (Vorausgesetzt, es gibt entsprechende Objektive für den Kameratyp ... und ich kann sie mir leisten!)
  • Aufgrund ihres größeren Sensors sind sie selbst bei hohen ISO-Werte relativ rauschfrei! Ich kann deshalb auch bei extrem ungünstigen Lichtverhältnissen mit kurzen Belichtungszeiten fotografieren. Zusätzlich kann ich noch ein lichtstarkes 1:1,4 Festbrennweiten-Objektiv nutzen (Hinweis).
  • Wenn ein Objektiv meinen inzwischen gewachsenen Ansprüchen nicht mehr genügt, kaufe ich mir einfach ein anderes.
  • Ich kann meine teuren Objektive auch in der nächsten Kamera-Generation weiter verwenden ... wenn ich beim gleichen Kamera-Hersteller bleibe.
    Erkennst du die Falle? Deshalb gibt es von jedem Hersteller billige Einsteiger-SLRs!
  • Wegen der prinzipbedingten längeren Brennweite kann ich mehr Einfluss auf die Schärfentiefe nehmen.
  • (nicht ganz ernst gemeint:) Man wird von anderen Knipsern sofort nach vorne durchgelassen, weil man für einen Pressereporter gehalten wird.

Aber alle diese Vorteile hätten auch Kameras ohne Spiegelreflex-Sucher!

... und welche Nachteile?

  • Sie kosten (mit den entspr. Objektiven!) sehr viel mehr als die besten "Bridge-Kameras".
  • Sie sind (mit den entspr. Objektiven) sehr viel größer und schwerer als gute "Bridge-Kameras"
  • Für Makro-Aufnahmen  ist ein extra Objektiv fällig. (viele anderen Digitalkameras können das! → Beispiel)
  • Sie erfordern sehr viel bessere (teure) Objektive als Kameras mit fest eingebautem Objektiv, da eine Korrektur der Verzeichnung, Randabdunklung usw. in der Kamera nicht möglich ist.
  • Durch den (technisch notwendigen) Schlitzverschluss ist eine Blitzsynchronisation mit sehr kurzen Belichtungszeiten nicht möglich.
  • Beim Objektivwechsel kann Staub auf den empfindlichen Sensor gelangen.
  • Der eingebaute Blitz kann bei Teleobjektiven nicht benutzt werden, weil die voluminösen Objektive das Motiv abschatten. Bridge-Kameras haben da kein Problem.

Der Spiegelreflex-Sucher bringt zahlreiche weitere →Nachteile!



An dieser Stelle war früher eine Zusammenstellung aller Kameras, bei denen das Objektiv gewechselt werden kann.
Um nicht ständig aktualisieren zu müssen, beschränke ich mich jetzt auf einige Bemerkungen.

  • Die maximale MP-Zahl bietet  z.Zt. die Canon EOS 1Ds Mark III mit 21 MP von einem Vollformat-(KB)-Sensor.
  • Der KB-Sensor der Nikon D3 hat 12,1 MP und einen Autofokus mit 51(!) Messfeldern.
  • Die Canon EOS 40D hat (mit APS-Sensor) 10,1 MP.
  • Die Nikon D300 hat einen APS-Sensor mit 12,3 MP
  • Bei den o.g. Profi-SLRs gibt es (endlich!) auch einen Live-Monitor, bei dem (bis auf die Mark III) auch der Autofokus funktioniert.
  • Die Panasonic L10 hat sogar einen schwenkbaren Live-Monitor.


Mehr zum Thema Spiegelreflex- und Großformat-Kameras bei:
http://sprec000.xardas.lima-city.de/Digicam7.html

Alle aktuellen Modelle und deren Spezifikationen findet man auf www.digitalkamera.de und der Website www.dpreview.com. Dazu "Cameras" und dann den entsprechenden Hersteller anwählen. In der dann erscheinenden Liste kann die ausführliche Spezifikation durch anklicken des jeweiligen Bildchens aufgerufen werden.

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Die Objektive

Die Bildqualität aller dieser Kameras hängt natürlich entscheidend von dem jeweils verwendeten Objektiv ab. Hier einige allgemeine Hinweise:
  • Die mit den Kameras gelieferten "Kit-Objektive" haben oft nur 3x-Zoom und sind bei Tele sehr lichtschwach: Bei umgerechnet 88(!) mm nur Blende 5,6. Die Bildqualität ist zwar nicht schlecht, die Randschärfe lässt aber z.T. zu wünschen übrig. → Mehr Infos
  • Gute Zoom-Objektive mit Stabilisator kosten oft über 1000.- Euro!
  • Die sehr hohe Auflösung von Festbrennweiten-Objektiven wird nur von hochwertigen Profi-Kameras ausgenutzt. Bei Baby-SLRs mit 6MP liefern sie keine besseren Bilder als Zoom-Objektive.
  • Preiswerte "Reisezooms" (umgerechnet: 29-320 mm) sind (abgeblendet) im Weitwinkelbereich recht gut, Im Telebereich deutlich schwächer und außerdem lichtschwächer als vergleichbare Objektive von Bridge-Kameras. Bei offener Blende liefern sie z.T. nur die Auflösung von 3MP-Kameras!
  • Reisezooms mit durchgängig Blende 2,8 kosten über 1000.- Euro.

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Persönlicher Kommentar:



Niemand bestreitet die überragenden Eigenschaften einer Profi-SLR. Was mich aber ärgert, ist die Überheblichkeit mancher Besitzer von Baby-SLRs, die glauben, dass jede SLR in jeder Hinsicht allen anderen Kameras  haushoch überlegen ist.

Wer benötigt wirklich unbedingt eine SLR? Mindestens 95% aller Amateurmotive sind mit einer guten kleinen Kamera (wie z.B. F31) in praktisch gleicher Qualität möglich.
(→ Was würde ich kaufen?)
Und wer einen größeren Zoombereich benötigt, für den ist eine gute(!) Superzoom- oder Bridge-Kamera sicherlich eine gute Alternative. Sie kosten bei gleicher Objektivausstattung erheblich weniger und bieten zusätzlich noch Video.

Ich könnte es auch - etwas gehässig - so formulieren:
Wer seine D-SLR nicht für Sportfotos bei schwierigen Lichtverhältnissen und/oder für wirklich extreme Weitwinkel- und Teleaufnahmen nutzt, der will nur mit dem Größten (Fotoapparat) protzen. Besonders dann, wenn er nur das lächerliche Standard-3x-Zoom (mit 88 mm "Tele" bei Blende 5,6!) verwendet. Das wird von jeder Mini-Kamera überboten!
Und wenn er dann nicht die Möglichkeiten der manuelle Belichtung nutzt, sondern mit Motivprogrammen arbeitet und seine Bilder am PAL-TV-Bildschirm mit 0,4(!) MP ansieht ....
Welchen Vorteil hat dann seine SLR, außer Unbedarfte zu beeindrucken?

Nach der ersten Begeisterung kaufen sich ohnehin viele SLR-Besitzer später eine kleine "Immer-dabei-Kamera" und lassen dann ihre SLR im Schrank .....
(→ Erfahrungsbericht)

Henner, 08.02.2008
 


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Letzte Überarbeitung:05.06.2008