Digital-Tele
 
Jede Digitalkamera bietet auch "Digital-Tele" oder "Digital-Zoom" an. Was ist das?

Ein "optisches" Zoom kennt man von "normalen" Kameras. Z.B. wird ein Objektiv mit 35 - 70 mm Brennweite als 2x Zoom bezeichnet. Dabei wird mit 70 mm jedes Motiv exakt doppelt so groß (breit) dargestellt wie bei 35 mm.

Das kann man auch erreichen, wenn man nur ein 35 mm Objektiv einbaut und digital einen Ausschnitt daraus auf das Doppelte vergrößert. Das ist "Digital-Zoom".

Besonders bei Kameras mit weniger als 3MP kann man sich unschwer vorstellen, dass die Qualität des vergrößerten Ausschnitts nicht gerade begeisternd ist! Bei Kameras ab 4MP ist aber Reserve vorhanden, um Bild-Ausschnitte zu vergrößern.
Aber da sind wir schon bei der entscheidenden Aussage! Das was Digital-Zoom in der Kamera macht, kann ich auch nachträglich am PC in aller Ruhe machen!




Die meisten Kameras (z.B. Ixus 400, Fuji F10 usw.) vergrößern tatsächlich den gewählten Bildausschnitt auf das vorgewählte Bildformat (z.B. 6 MP).
Da dann bereits in der Kamera die JPG-Kompression auf das vergrößerte Bild angewandt wird, ist es geringfügig weniger unscharf als eine nachträgliche Ausschnittvergrößerung aus dem Originalbild, bei dem die Artefakte (Unschärfen) der JPG-Kompression ja mit vergrößert werden!

Hier ein Beispiel:



Bild 1
Das nebenstehende Bild wurde mit max. Tele (105 mm) aufgenommenen.



Bild 2
Von gleichem Standort habe ich dann mit 3,55x Digital-Tele (3,55 x 105 = 373 mm) das Nummernschild herangeholt

Aus diesen beiden Fotos habe ich am PC die TÜV-Plakette heraus vergrößert.


Der erste Ausschnitt wurde mit Photoshop aus dem Telebild (1) stark herausvergrößert.

Der zweite Ausschnitt wurde aus dem Digital-Tele-Bild (2) entnommen (Er musste dazu natürlich nur sehr wenig vergrößert werden).
Er ist etwas weniger schlecht, hat weniger "Korn".

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Das dritte Bild zeigt übrigens einen Ausschnitt aus einem anderen Foto, bei dem ich so dicht an das Auto herangegangen bin, bis das gleiche Bild wie "Bild 2" ohne Digital-Tele möglich war.
Das ist eindeutig die bessere Lösung .... wenn man nah genug herankommen kann!




Andere Methode

Manche Kameras bieten Digital-Tele nicht erst dann an, wenn das maximale optische Tele erreicht ist. Hier kann bei jeder Brennweite auf Knopfdruck die Bildmitte digital vergrößert werden. Das ist nicht nur ein gutes Hilfsmittel bei der manuellen Scharfstellung, sondern ist bei Makro-Aufnahmen sehr vorteilhaft. →Beispiel



Fazit:
Bei Kameras, die die Bilder intern auf die eingestellte Auflösung hochrechnen, kann Digital-Tele die nachträgliche Hochrechnung am PC voll ersetzen.

Aber immer ist Digital-Tele schlechter als ein echtes Tele!

 

Einfluß von MP auf Digital-Tele


Seitdem es Kameras mit 6 MP und mehr gibt, machen Digital-Tele bzw. Ausschnittvergrößerungen aber durchaus Sinn. Warum?

Bei 1:1 -Betrachtung sind alle Digitalbilder etwa gleich (un)scharf *).

Wählt man nun z.B. aus einem 6MP-Bild (Bildbreite 2848 Pixel) einen Ausschnitt von der Breite 1600 Pixel, so hat man einen "Zoomfaktor" von 2848/1600 = 1,78. Aus 108 mm Tele (1. Bild) einer Taschenkamera wird dann ein 192 mm Tele (2. Bild). Es ist so scharf wie das Bild einer vergleichbaren 2MP-Kamera und auf jedem Bildschirm "bildfüllend".
Wählt man einen Ausschnitt von 1024 Pixel Breite, dann werden aus den 108 mm nicht weniger als 300 mm (Faktor: 2,78). (3. Bild) → 300 mm Tele

Anklicken zeigt "300 mm Tele" der 6MP F10

108 mm 

192 mm

300 mm
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Je nach MP-Anzahl ergibt ein Bildausschnitt von 1600 x 1200 Pixeln (auf jedem Bildschirm bildschirmfüllend und geeignet für einwandfreie 13 x 10 cm Papierbilder) bei 108 mm Tele:

  4 MP-Kamera ▬► 153 mm
  6 MP-Kamera ▬► 192 mm
  8 MP-Kamera ▬► 220 mm
 12MP-Kamera ▬► 270 mm

Die gleichen Ergebnisse ergeben sich, wenn man mit Digital-Tele arbeitet. Das Bild enthält dann mindestens so viele Details wie eine Ausschnittvergrößerung.

Angenehmer Nebeneffekt beider Methoden: Auch bei so erreichten 200 oder gar 300 mm haben selbst die kleinsten Kameras mindestens Blende 5. Viel lichtstärker sind auch die meisten "echten" Telezooms nicht!

Bei bestimmten Motiven gibt es aber einen unbestreitbaren Nachteil gegenüber einem "echten" Tele-Objektiv: Ein "Freistellen" ist wegen der großen Schärfentiefe praktisch unmöglich.

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*) Mit dem Fuji Super-CCD-Sensor der 5.Generation aufgenommene Bilder sind wegen der speziellen Berechnungsmethode bei 1:1 -Betrachtung deutlich schärfer als die von normalen Sensoren. Hier ein Beispielbild (220 KB), das einen 1:1 Ausschnitt aus einem Foto der Fuji F10 zeigt. Es ist das 3. Bild der oberen Bildreihe.
Die höchste Auflösung bei 1:1 Betrachtung haben übrigens Bilder, die mit Foveon-Sensoren aufgenommen wurden.


 

Digi-Tele bei reduzierter Auflösung


Neben der obigen Methode, bei der ein Bildausschnitt durch "erfinden" von Pixeln auf die volle Bildgröße aufgeblasen wird, gibt es eine völlig andere.

Bei dieser Methode wird nur der gewählte Bildausschnitt abgespeichert und nicht anschließend vergrößert. Vor Jahren habe ich das schon bei der Fuji 602 beschrieben. 
Sony nennt diese Methode "Smart-Zoom":
Canon nennt sie "Safety-Zoom"
Panasonic nennt sie "Erweitertes optisches Zoom"

Vorteil dieser Methode ist nicht nur, dass weniger Speicherplatz verschwendet wird, sondern dass die Bilder nie schlechter als der entsprechende 1:1 Ausschnitt werden können. Es werden ja keine Pixel erfunden!
Auch hier sind wieder Kameras mit hohen MP-Zahlen im Vorteil; vorausgesetzt, dass ihre tatsächliche Auflösung auch entsprechend höher ist.


Bei älteren Fuji-Kameras sind die Verhältnisse noch etwas anders. Da z.B. die S602 intern ein Bild von 2832 x 2128 erzeugt, ist das unsere Ausgangsgröße. Schaltet man z.B. auf den 1,3 MP-Modus (1280 x 960), so ergibt sich ein "Zoomfaktor" von 2832/1280 = 2,2. Aus 210 mm wird dann 210*2,2 = 462 mm. Das ist ein Gesamt-Zoom von 13,2.

Wenn man mit der Kamera im 6M-Modus arbeitet, fehlt logischerweise das Digital-Zoom ... aber man kann den gleichen Effekt später am PC erreichen!

 


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Letzte Überarbeitung: 01.04.2008