Randschärfe
 
Nicht optimal korrigierte Objektive lassen (bei offener Blende) zum Rande hin in der Schärfe nach. Die Bild-Ecken sind dann besonders betroffen, da sie die größte Entfernung vom Bildmittelpunkt haben. Deshalb sollte man richtiger von Ecken-(Un)Schärfe sprechen!


Bei vielen Bildern fällt dieser Effekt gar nicht auf, weil das Hauptmotiv in der Mitte ist. In den Bild-Ecken ist häufig nur der Himmel zu sehen oder aber es befinden sich dort unwichtige Dinge, die weiter entfernt sind und deshalb gar nicht scharf sein können.
 


Anders ist das bei allen Fotos, wo sich auch in den Ecken viele Bilddetails befinden und deshalb dort die gleiche Schärfe wie in der Bildmitte erwartet wird.
 

Saigon (Vietnam-Reise) Luang Prabang (Laos-Reise) Hongkong (China-Reise)

Es ist vielleicht eine Marotte von mir ... aber Randschärfe ist für mich eine ganz wichtige Eigenschaft. Und das nicht erst, nachdem ich festgestellt habe, wie auf einem kleinen 13 x 10 cm Papierbild der Unterschied zwischen 4 und 8 MP zwar nicht erkennbar war, die Randunschärfe der 8 MP-Kamera aber sehr wohl! Was nützen da viele MP?
Sicherlich ist eine Randschärfe nicht auf allen Bildern wichtig, aber z.B. bei den hier gezeigten kommt es schon auf gute Randschärfe an. Und eine Kamera, die mich dann enttäuscht, will ich nicht haben!
Bei dem folgenden Bild ist eine durchgehende Schärfe bis in die Ecken sogar zwingend erforderlich.

Auf ein randscharfes Objektiv lege ich schon allein deshalb großen Wert, weil - im Gegensatz zu Farbsäumen, Verzeichnung und Randabschattung - eine nachträglich Korrektur hier nicht mehr möglich ist.

Sehr viele Fotos werden übrigens bei offener Blende aufgenommen ... und dann tritt eine Ecken-Unschärfe am stärksten auf!
Bei Außenaufnahmen blenden manche Automatiken (um ein Verwackeln zu vermeiden) erst dann ab, wenn mind. 1/650 Sek. erreicht wird. Und bei allen Blitzaufnahmen wählt die Automatik immer eine offene Blende. Kameras mit Graufilter kennen nur offene Blende.

Wie man sieht, entstehen fast alle Fotos unter Bedingungen, bei denen Randunschärfeprobleme sichtbar würden! Dabei erwarte ich keineswegs "knackige" Schärfe bis in die Bildecken. Wenn aber bei Vollbildbetrachtung am Bildschirm bzw. auf 10 x15 cm Papierbildern ein Schärfeabfall deutlich zu erkennen ist, dann hört der Spaß auf.

In vielen Testberichten wird eine vorhandene Randschärfe bestenfalls in einem Nebensatz erwähnt. Manche Tester ermitteln zwar die Schärfe in den Randbereichen, vermauscheln sie aber zu einem Gesamt-Mittelwert. Das vertuscht das Problem!

Zumindest bei Wechselobjektiven gibt es aber einen Tester, der sehr detailliert über Randschärfe berichtet: dpreview.  → Mehr Infos.  Wie sich dort immer wieder zeigt, ist Randunschärfe bei fast allen Wechselobjektiven ein Problem. Bei offener Blende sind eigentlich nur Festbrennweiten-Objektive und auch nur die in der Preisklasse über 1000.- Euro einwandfrei. Besonders kritisch sind die KB-Vollformat-Objektive. Durch Abblenden kann allerdings die Randschärfe verbessert werden ... was bei Kompaktkameras mit Graufilter nicht möglich ist.



 

Warum ist Randschärfe bei Weitwinkel wichtiger als bei Tele?

Erfahrungsgemäß werden sehr viele Fotos mit Weitwinkel aufgenommen. Nicht ohne Grund starten die meisten kleinen Kameras damit!. Aber das ist nicht der entscheidende Grund für meine Forderung nach Randschärfe besonders bei WW (umgerechnete Brennweite unter 40 mm).

Bei WW befinden sich (wegen der kurzen Brennweite und deshalb großen Schärfentiefe) meist alle Bilddetails im Schärfebereich. Dadurch fällt es hier besonders unangenehm auf, wenn die Schärfe zum Rand hin nachlässt.

 

Bei Tele befindet sich meist nur das Hauptmotiv in der exakt richtigen Entfernung. Wegen der geringen Schärfentiefe kann man deshalb gar nicht erwarten, dass alle Bilddetails gleich scharf sind. Außerdem zoomt man ja ein Motiv heran, um es von der störenden Umgebung freizustellen (Bildbeispiel: 210 mm). Deshalb ist man froh darüber, wenn die Randbereiche weniger scharf sind.

 

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Montagefehler

Randschärfe kann es übrigens auch dann geben, wenn ein eigentlich gut konstruiertes Objektiv schlampig montiert wurde! Das erkennt man daran, dass die Randunschärfe nicht in allen vier Ecken gleich schlecht ist.
Das war z.B. der Fall bei der Ixus v3 meines Freundes, bei der Ixus 400 Testkamera der Zeitschrift Computerfoto (Heft 6.2003) und den zwei Casio Exilim EX-Z3 eines Bekannten, die einmal links und (nach Umtausch) rechts extreme Unschärfe zeigten. Besonders Noch krass war die Dejustierung des Objektivs einer Optio X (sh. Bild unten).

Aus allen diesen Gründen empfiehlt es sich, mit seiner neuen Kamera einige entsprechende Test-Bilder zu machen, um sie ggf. zu reklamieren!

Die Test-Bilder sollten aus den o.g. Gründen unbedingt bei Weitwinkel und offener Blende aufgenommen werden. Sobald abgeblendet wird, ist das Problem weniger deutlich zu erkennen. →Meine Testmethode

Hier ein abschreckendes Beispiel:
Pentax Optio X (5 MP)


ComputerFoto Testbild

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Letzte Überarbeitung: 17.07.2010