Meine Kamera-Testberichte
 
Immer wieder werde ich gefragt, warum ich solche Kamera-Tests mache, die ja sehr aufwendig sind und mir nichts einbringen.

Ich habe natürlich keine Zeit, alle aktuellen Kameras durchzutesten. Ich beschränke mich deshalb bewusst auf die Kameras, die ich mir evtl. selbst kaufen will! Dann ist natürlich mein Interesse besonders groß und ich nehme mir die notwendige Zeit, um die Kameras in allen "Lebenslagen" zu testen!
Kameras, die meine sehr subjektiven "k.o.-Kriterien" nicht erfüllen (weil sie z.B. nur 38 mm WW haben), werden üblicherweise von mir gar nicht getestet! Deshalb kann ich auch nicht auf Anfragen antworten, welche Kamera z.B. die besten Video-Eigenschaften usw. hat. Zu Kameras, die ich nicht selbst getestet habe, mache ich keine Aussagen!

Im Gegensatz zu manchen Testzeitungen zähle ich in meinem Testberichten bewusst nicht nur die Vorteile der Kameras auf, sondern suche auch nach den Nachteilen. (Ich bin ja nicht auf Anzeigen der Hersteller angewiesen!) Wer sich die Kamera aufgrund meines Berichtes kauft, soll mir hinterher nicht vorwerfen können, dass ich ihm bestimmte Nachteile verschwiegen habe.
Die Testberichte enden mit einem Kommentar, der meine persönliche Kauf-Entscheidung enthält. Ein Leser, der sich seine erste Kamera kaufen will, kann zu einem ganz anderen Ergebnis kommen! Dazu empfehle ich meine "Entscheidungstabelle".

Derzeit müssen alle Test-Kameras gegen meine F31fd antreten. Besser wäre es zweifellos, wenn ich auch andere aktuelle Kameras zur Verfügung hätte. Aber inzwischen habe ich genügend Erfahrungen, um Kameras notfalls auch ohne direkten Vergleich beurteilen zu können. 

Da mir von der Foto-Industrie leider keine kostenlose Test-Kameras zur Verfügung gestellt werden, muss ich sie mir bei Bekannten ausleihen! Die Testberichte sind dann auch für den Kamera-Besitzer häufig sehr interessant, weil dabei auch unbekannte Seiten der Kamera zum Vorschein kommen (sh. Testbericht der Ixus v3, Ixus 400; Canon Pro1 , Fuji F700 , Dimage A200 , Fuji E900 , Fuji S9500, Fuji F30 , Fuji F50fd  und Fuji F100)!
In vier Fällen waren die von mir festgestellten Mängel so gravierend, dass die Kameras repariert werden mussten bzw. zurückgeben wurden!
 


 


 

Meine Testmethoden
 

Sinn meiner Website ist aber auch, meinen Lesern so viele Kenntnisse zu vermitteln, dass sie z.B. selbst entscheiden können, ob ein Sonderangebot bei ALDI für sie persönlich besser ist als ein älteres Auslaufmodell, das bei Media-Markt als "Schnäppchen" angeboten wird.
Zunächst sollte man natürlich die technischen Daten vergleichen (Hinweise dazu auf der Seite "Checkliste").
Aber ohne eigene Erprobung sollte man keine Kamera kaufen! Deshalb hier kurz einige Hinweise, wie ich eine in Frage kommende Kamera auf ihre Eignung (für meine Ansprüche!) teste.
Entsprechende Test-Motive gibt es sicherlich nicht nur in Hannover!

Aber gewisse Regeln sollte man schon einhalten, damit man nicht die typischen Fehler von "Amateur-Testern" macht.
 

Welche Kamera-Einstellungen?

Die Kameras werden normalerweise auf Basisempfindlichkeit eingestellt (max. Rauschfreiheit). Für den "Rauschtest" dann auf 400 und den höchsten ISO-Wert.

Wenn Vortests ergeben, dass z.B. eine Blendenkorrektur von -1/3 Blende bessere Bilder ergibt, so wird das vorgegeben.

Es wird max. Pixelzahl und geringste JPG-Kompression eingestellt ("superfein")

Bei Kameras, die zu Überschärfung neigen, wird die Schärfung abgestellt ... was natürlich ggf. eine Nachbearbeitung erfordert (mache ich ohnehin!).

Nur für den Test der Sensor-Auflösung (sh. unten) wird abgeblendet. Alle anderen Aufnahmen werden - wenn möglich - mit offener Blende gemacht. Fehler werden so besser erkannt ... und auch in der Praxis wird von der Automatik sehr häufig die offene Blende gewählt!

Aufnahmen mit Weitwinkel und Tele gehören ebenfalls zum Testprogramm. Nicht nur Randschärfe und Verzeichnung sind dann z.T. sehr unterschiedlich, sondern auch die Autofokus-Geschwindigkeit (Nicht die "Auslöseverzögerung"!)

 
Die Motive

Bei meinen Kameratests verwende ich immer wieder die gleichen Standard-Motive.
Selbstverständlich werden dabei jedes mal mindestens zwei etwa gleichwertige Kameras unter identischen Bedingungen getestet, da Sonnenstand usw. großen Einfluss haben!
Wichtig ist auch, dass die beiden Vergleichsbilder vor der Beurteilung mit Photoshop auf gleiche Bildhöhe (Pixel) gerechnet werden.



1. Das Hannoversche "Neue Rathaus" (1913) ist zuständig für die Beurteilung der  Farbwiedergabe (Dachziegel; Kupferdach) und Schärfe (Bildmitte) unter optimalen Bedingungen. Dazu wird immer vom gleichen Standort aus mit 40 mm Brennweite fotografiert. Beurteilt wird u.a., wie gut die Dachziegel aufgelöst werden.
Besonders dieses Motiv ergibt extrem unterschiedliche Ergebnisse bei verschiedenen Sonnenständen, Dunst usw. . Deshalb ist eine zweite (Vergleichs)-Kamera zwingend erforderlich.
Klick mal das kleine Bild an, um 5 Beispielbilder verschiedener Kameras zu sehen. Die Bilder sind (bis auf die Größe) völlig unveränderte Originale! Es wäre unverantwortlich, sie direkt miteinander zu vergleichen und die jeweiligen Kameras ohne Parallel-Aufnahmen zu beurteilen!.



2. Im Stadtzentrum bietet dieses Motiv zahlreiche Möglichkeiten, das Rauschen (im Schatten) und die Schärfe an verschiedenen Stellen zu beurteilen.



3. Bei diesem Motiv in der Altstadt, bei dem die Randschärfe wichtig ist, müssen die Kameras - bei offener Blende - zeigen was sie können! Die Durchzeichnung in den Schattenbereichen wird ebenfalls beurteilt. Auch zu starke Schärfung kann hier wegen der hohen Kontraste und vielen Bilddetails gut erkannt werden. Eine Neigung zu Farbrändern kann zwar auch gesehen werden, wird aber bei dem Test Nr.6 deutlicher.


 

4. Besonders deutlich wird Unschärfe in den Bildecken bei dem folgenden Motiv, da es über die ganze Bildbreite die gleiche Struktur hat.
Gute Kameras zeigen selbst bei offener Blende keinen Schärfe-Abfall zu den Ecken hin.  Beispiel (Fuji F700)!
Da manche Kameras (wegen schlecht justierter Optik) in den unteren Ecken ein Problem haben, wiederhole ich dieses Testbild mit "kopfüber" gehaltener Kamera.

Selbst geringe Ecken-Unschärfen werden sichtbar, wenn man ein feingliedriges Bilddetail so fotografiert, dass es auf einem Foto in Bildmitte, auf den nächsten Fotos sich in jeweils einer der vier Ecken befindet. →Beispiel



5. Selbst für Makro-Aufnahmen habe ich ein Hannover-Motiv    :-)
Nicht beeindrucken lasse ich mich durch extrem kurze Mindestabstände!
Wichtig ist, dass man einen möglichst kleinen Bereich darstellen kann (z.B. Biene auf Blüte) ... aus möglichst großer Entfernung
Deshalb: "Makro" muss mit Tele möglich sein! (Beispiel).
Bei technischen Aufnahmen (z.B. Briefmarke) darf das Bild nicht verzerrt sein!

 

 

6. Ob das Objektiv Chromatische Aberration (Farbränder) aufweist, teste ich mit einem Foto von Blättern (im Winter: Zweigen) vor hellem Himmel. Je extremer die Helligkeitsgegensätzen sind, um so deutlicher tritt dieser Fehler auf.
Selbstverständlich wird das Foto bei offener Blende aufgenommen, da ein Abblenden den Fehler reduzieren würde.

7. Rauschen
Da durch den "Pixelwahn" und den Trend zu extrem hohen ISO-Werten das Rauschen immer mehr ein Problem wird, habe ich dafür ein spezielles "Testbild". Bei rel. schwacher Beleuchtung wird ein Motiv in meinem Büro aufgenommen. Die Aufnahmen erfolgen mit Basis-Empfindlichkeit, bei 400 ISO und ggf. auch bei 1600 ISO.

Ganz nebenbei kann auch der Dynamik-Umfang der Kameras beurteilt werden. Wie stark ist der beleuchtete Globus überbelichtet?
Der gelb eingezeichnete Bildausschnitt wird mit Photoshop im Blaukanal angesehen. (Beispiel)

Wichtig ist auch die Beurteilung der Auflösung bei höheren ISO-Werten. Da zeigen sich nämlich große Unterschiede.

Beim Vergleich verschiedener Kameras hat es sich bewährt, alle Bilder bildschirmfüllend anzusehen und zu vergleichen, gleichgültig wie viel MP die Kameras haben. Dadurch kann abgeschätzt werden, wie wohl jeweils 10 x 13 cm Papierbilder aussehen werden.
Nur wenn hierbei keine Unterschiede erkennbar sind, werden die Bilder auf ein größeres Format umgerechnet und dann verglichen. → Mehr Infos



8. Party-Eignung

Auf Partys reicht die Beleuchtung selten für Aufnahmen ohne Blitzlicht. Aber zum Erkennen eines Motivs ist ein Minimum an Licht notwendig! Und wenn ein Autofokus-System damit bereits auskommt, dann benötigt es keine Hilfslampe und es funktioniert auch außerhalb deren Reichweite!
Bei meinen entsprechenden Tests wird eine Puppe nur durch eine einzige Kerze aus 50 cm Entfernung "beleuchtet". Eine typische Party-Situation!
Nun werden jeweils aus verschiedenen Entfernungen (1 bis 4 Meter) Blitzlicht-Aufnahmen gemacht. Die Kerze darf dabei beim Scharfstellen nicht auf dem Bild sein!
 
Ist auf allen Fotos die Puppe gestochen scharf abgebildet? Realistisch wäre es zwar, mit Weitwinkel zu arbeiten. Aber um die Präzision der Scharfstellung zu überprüfen, wähle ich Tele (wenn dadurch nicht zu stark abgeblendet wird)!

Wenn eine Kamera bei geringer Beleuchtung Schwierigkeiten hat, kann eine Autofokuslampe das Problem lösen. Sie könnte sogar bei vollständiger Dunkelheit für eine korrekte Entfernungseinstellung sorgen ... allerdings sehe ich dann mein Motiv nicht! Außerdem sind unbemerkte Schnappschüsse nicht möglich.

Testbild
(Canon Pro1; 180 mm Brennweite; Bl. 3,5;  50 cm Abstand; keine Autofokuslampe!)
Anklicken des Bildes zeigt eine Ausschnittvergrößerung

 

Um Missverständnisse zu vermeiden: Die Party-Eignung einer Kamera hat nichts mit hohen ISO-Werten zu tun! So hat z.B. die Ixus 400 mit 50 ISO die Prüfung erfolgreich bestanden! Alle Blitzlicht-Aufnahmen waren exakt scharfgestellt!
Die Pro1 bestand die Prüfung (mit 50 ISO) sogar ohne Hilfslicht!

Stimmungsvoller sind natürlich Aufnahmen ohne Blitz ....wenn das Licht ausreicht! Aber das ist ein anderes Thema!


9. Video-Bildqualität

Für die Beurteilung der Bildschärfe bei Video verwende ich ein Testbild, das ich schon 1973 für die Beurteilung von Super8 Schmalfilm-Kameras verwendet habe. Die Schriftgröße war damals so gewählt worden, dass sie auf der Leinwand gerade noch lesbar war.
Wegen der miesen Auflösung eines normalen TV-Bildschirmes (entspricht ca. 0,4 MP!) ist er für eine objektive Schärfebeurteilung nicht geeignet. Dort ist die Schrift selbst bei einem perfekten 6 MP-Foto nicht einwandfrei lesbar! Die Videoclips werden deshalb formatfüllend auf einem PC-Monitor angesehen und beurteilt.
Kameras mit 320 x 240 habe hier keine Chance! Aber auch bei guten Kameras (z.B. Fuji 6500) ist hier die Schrift nicht lesbar!
Zum Vergleich habe ich das Testbild sowie einen Screenshot von der Fuji 602 und der Ixus 400 auf 800 x  600 verkleinert und daraus jeweils einen Bildausschnitt kopiert. Deutlich ist die extreme Überschärfung der Fuji 602 zu erkennen.



Gute Super-8 Filme hatten übrigens auch eine Auflösung, die ein TV-Bildschirm nicht wiedergeben kann! → Historisches Super8-Testbild

 


Was teste ich noch?
(Was bei anderen Tests häufig fehlt!)

Dämmerlichtgrenze des Autofokus
Dazu wird ermittelt, bei welcher Helligkeit (Anz. Sekunden bei 200 ISO und Blende 2,8) der passive Autofokus (ohne Autofokuslampe) noch einwandfrei scharf stellt. (Praxisfall: Stativ-Aufnahme von Tropfsteinhöhle)
Sh. auch "Party-Eigenschaften".

Verzögerung durch Autofokus
In Ermangelung aufwendiger Messgeräte teste ich hier nur unter Praxisbedingungen. Stichwort: "Radfahrertest".
Falls die Kamera auch einen "kontinuierlichen Autofokus" hat, wird der Test auch mit dieser Einstellung wiederholt.

Verzeichnung bei Weitwinkel

Dazu wird unsere Schrankwand aufgenommen. (Beispiel)

Blitz
Die Blitz-Reichweite bei 100 ISO (→LZ) und die gleichmäßige Ausleuchtung wird ebenfalls überprüft. Viele Kamera-Hersteller kaschieren die schwache Blitzleistung durch Angabe der "Reichweite" (... gemessen bei 1600 ISO!).

Auto-ISO
Wählt die Automatik zu häufig hohe ISO-Werte? Z.B. auch bei Blitzlichtaufnahmen im Nahbereich?
Ist ein fester ISO-Wert vorgebbar?
Im Idealfall ein max. ISO-Wert vorgebbar?

Video-Qualität
Neben der o.g. Bildqualität wird auch die Tonqualität verglichen. Außerdem wird ein Schwenk von Hell zu Dunkel aufgenommen. Ob die Kamera lfd. den Fokus anpasst und ob "Zoomen" sowie "Filmen bei Wohnzimmer-Beleuchtung" möglich sind, wird ebenfalls geprüft.

Handhabung
Sind Selbstauslöser, Serienaufnahme, Motivprogramme durch Knöpfe o.ä. direkt anwählbar?
Wie kompliziert ist es, Vorgaben, die man häufig ändert, einzustellen? (Z.B. ISO, Bildgröße, Autofokus-Umschaltung .... )

Start- und Speicherzeit
Auf die Bildgüte ohne Einfluss aber nicht unwichtig ist es, wie lange es dauert, bis die Kamera aufnahmebereit ist und wie lange sie zum Abspeichern eines Bildes benötigt.
In diesem Zusammenhang prüfe ich auch, ob bei Serienaufnahmen der Monitor schwarz wird und dadurch Blindflug angesagt ist.

Stabilisator
Bei Kameras mit Stabilisator wird dieser natürlich auch überprüft, da es hier sehr große Unterschiede gibt.
Da ein Stabilisator bei Weitwinkel-Aufnahmen eigentlich überflüssig ist (Hier steht die volle Blendenöffnung zur Verfügung und die Belichtungsautomatik kann eine Belichtungszeit wählen, die kürzer als die "notwendige" von 1/35 Sekunde ist), wird dieser Test nur bei max. Telebrennweite durchgeführt.

Dazu werden mehrere Freihand-Aufnahmen gemacht (mit und ohne Stabilisator). Es wird dabei eine Belichtungszeit eingestellt, die bei kleinen Kameras zwei, bei großen Kameras (die ruhiger gehalten werden können) drei Stufen unter der "notwendigen" Belichtungszeit (1/Brennweite) liegt.

Dann müssen die Stabilisatorfotos statistisch signifikant weniger Verwacklungen zeigen als die mit abgeschaltetem Stabilisator.
Um abzuschätzen, wie viele Belichtungsstufen ein Stabilisator "einspart", ist eine umfangreiche Versuchsreihe notwendig. →Details

Monitor
Besonders dann, wenn der Monitor - wegen fehlenden Durchsichtsuchers - als Sucher benutzt werden muss, sollte er bestimmte Forderungen erfüllen. Größe und Auflösung kann man den technischen Daten entnehmen, nicht aber, ob er so stark spiegelt, dass bei heller Umgebung kaum etwas zu erkennen ist. Dazu stelle ich mich im Zimmer mit dem Rücken zum Fenster und es darf auf dem abgeschalteten Monitor keine Spiegelung zu sehen sein!
Der zweite Test beurteilt, ob der Monitor auch bei Betrachtung unter einem großen Winkel noch ein ausreichend erkennbares Bild zeigt. Dazu wird die Kamera am ausgestreckten Arm in die Höhe gehalten. Damit wird das Fotografieren "über eine Menschenmenge hinweg" simuliert.
Außerdem beurteile ich, ob der Monitor flimmert, bei schnellen Bewegungen der Kamera ruckelt und ob er bei schlechter Beleuchtung rauscht.
Wichtig ist natürlich auch, dass wichtige Belichtungsdaten und ein Gitternetz zur korrekten Ausrichtung der Kamera eingeblendet werden können.

Davon unabhängig beurteile ich, wie gut sich der Monitor zur nachträglichen Bildkontrolle eignet. Dazu ist neben hoher Auflösung wichtig, dass rel. schnell ein beliebiger Bildausschnitt (möglichst 10x) herausvergrößert werden kann, um z.B. einen Gesichtsausdruck und die Schärfe zu beurteilen.
 




Auswertung der Bilder

Beim Vergleich zweier Kameras werden die Bilder der Kamera mit der kleineren Pixelzahl auf das Format der größeren Kamera hochgerechnet, um sie dann am Bildschirm (bei 1:1 Darstellung) ausschnittweise zu vergleichen.
Das ist deshalb sinnvoll, weil Bilder mit mehr Pixeln mehr Details enthalten könnten, die dann beim Herunterrechnen verloren gehen würden. Beim Hochrechnen wird diese Problematik vermieden .... mit einem leichten Nachteil für die Kamera mit weniger MP, da ihre Bilder einen zusätzlichen Rechenvorgang hinter sich haben!
Wenn ich - aus welchem Grund auch immer - eine 11MP-Kamera mit einer 4 und einer 2MP-Kamera vergleichen will, darf ich nicht alle Fotos auf 2MP herunterrechnen! Dann würden selbst die Bilder der 11MP-Kamera kaum mehr Details enthalten als die Bilder der 2MP-Kamera!
Erst durch das Hochrechnen der 2 MP-Ixusv2 (rechtes Bild) auf die 11 MP-EOS 1Ds (linkes Bild) wird deutlich, wofür man sein Geld ausgibt!
Außerdem wird hier simuliert, wie sich wohl 70 x 50 cm Poster der drei Kameras unterscheiden würden!


Ganz ohne Umrechnung darf auf keinen Fall verglichen werden! Das ist ein beliebter Fehler von selbsternannten "Testern", die dann überrascht feststellen, dass im Extremfall eine 2 MP-Kamera (bei 1:1 Betrachtung) zwar deutlich kleinere aber scheinbar schärfere Bilder liefert als eine 11 MP-Kamera!
 

Beurteilung nach der Bildbearbeitung

Da ich normalerweise alle meine Bilder bearbeite, mache ich das nach der ersten Beurteilung auch und beurteile dann noch einmal.
Das ist besonders dann sinnvoll, wenn die Kameras unterschiedlich stark (intern) schärfen oder bei einer Kamera die Schärfung abgeschaltet wurde. Sonst würde ich Äpfel mit Birnen vergleichen!

 


 

Güte des Sensors und des Objektivs getrennt testen?

Es ist sinnvoll, die Güte des Sensors (und der Datenaufbereitung in der Kamera) getrennt von der Beurteilung des Objektivs zu betrachten. Wenn ich z.B. weiß, dass die Ixus 400, 430 und 500 das gleiche Objektiv verwenden, dann muss ich nur noch fragen, wie sich die Sensoren unterscheiden.

Güte des Sensors
Rauschverhalten, Lichtempfindlichkeit, Bloomingverhalten (Überstrahlen von sehr hellen Bildbereichen in die Nachbarschaft), Farbwiedergabe und nicht zuletzt das Auflösungsvermögen sind von der Güte des Sensors (und der kamerainternen Datenaufbereitung) abhängig.
Da bei dem entspr. Test nur der Sensor geprüft werden soll, werden optimale Bedingungen für das Objektiv gewählt. D.h. Bildmitte bei auf etwa Blende 8 und mittlerer Zoombereich.

Güte des Objektivs
Die (mit dem betr. Sensor) maximal mögliche Auflösung des Objektivs ist die nach der obigen Methode gemessene. Aber bei offener Blende, im extremen Zoombereich und besonders an den Ecken kann die Qualität z.T. erschreckend schlecht werden! Deshalb gehört dieser Test auch zum Muss eines qualifizierten Testberichtes.
Die völlig unterschiedliche Beurteilung der Objektive der drei Ixus-Kameras durch eine Testzeitschrift belegt, dass es auch sehr große Streuung der Serie gibt! Aber das erkenne ich nur, wenn ich die Ergebnisse von Sensor und Objektiv getrennt betrachte.

Manche Eigenschaften des Objektivs können allerdings durch kamera-interne Datenaufbereitung stark verbessert werden! Rand-Abdunklung und Verzeichnung bei Weitwinkel können nämlich - genauso wie Farbrauschen usw. - durch entsprechende Korrektur-Programme schon vor dem Abspeichern des Bildes reduziert werden. Manche Kameras reduzieren sogar die Farbsäume per Rechnerprogramm!

Das alles zeigt deutlich, dass die Güte einer Digitalkamera nicht nur vom Sensor und Objektiv abhängt. Die interne Datenaufbereitung und die Schnelligkeit des Prozessors haben ebenfalls sehr großen  Einfluss!




Testen nach dem Kauf?

Wenn ich mich endlich für eine Kamera entschieden habe, dann werde ich natürlich nicht alle oben genannten Tests an dieser Kamera noch einmal durchführen!
Aufgrund eigener schlechter Erfahrungen ist aber der individuelle Test der Randschärfe (Nr. 4) unbedingt zu empfehlen. Eine schlecht justierte Optik ist nämlich leider keine Seltenheit! Da legen die Hersteller offenbar nicht so strenge Maßstäbe bei der Endkontrolle an. Verständlich, weil die meisten "Knipser" das Problem gar nicht erkennen werden. Da ist es für die Hersteller billiger, den paar "Querulanten" die Kamera umzutauschen als sehr viele Kameras "unnötig" zu verwerfen.
Interessant ist in diesem Zusammenhang die Antwort der Zeitschrift CHIP (10.2006) auf die Frage eines Lesers, warum ein Nikon Wechselobjektiv in zwei Tests sehr unterschiedlich bewertet wurde. Zitat: "... Nikon-Optiken sind (leider) dafür bekannt, dass es spürbare Qualitätsunterschiede bei ein und demselben Objektiv-Typ gibt."

Eine individuelle Überprüfung auf Pixelfehler wird vermutlich keine böse Überraschung ergeben. Trotzdem ... nicht jeder Sensor ist einwandfrei!

 


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Letzte Überarbeitung: 18.06.2008