Schärfentiefe
 
Vorab:
Fälschlich wird die Schärfentiefe manchmal auch Tiefenschärfe genannt.
Dabei beschreibt sie doch die Tiefe der Schärfe und nicht die Schärfe der Tiefe.



Haben Digitalkameras mehr Schärfentiefe?

Hartnäckig hält sich das Gerücht, dass alle Digitalkameras grundsätzlich eine extrem große Schärfentiefe haben, dass deshalb von vorne bis hinten alles gleich scharf sei!
Das stimmt so nicht! Natürlich hat bei gleicher Blendenöffnung eine kleine Digitalkamera bei dem gleichen Motiv eine größere Schärfentiefe als z.B. eine 6x6 Kamera. Das hat aber nichts mit "digital" zu tun, sondern hängt ausschließlich von der verwendeten (tatsächlichen!) Standard-Brennweite der Kameras ab! Auch die gute alte "Spionage-Kamera" Minox (Brennweite 15 mm!) hat eine sehr große Schärfentiefe!
Andererseits hat eine Digital-SLR mit KB-Sensor exakt die gleiche (geringe) Schärfentiefe wie eine entsprechende "normale" SLR!

Wer gerne mit Unschärfe spielen möchte, muss sich deshalb aber nicht gleich eine D-SLR mit KB-Sensor kaufen. Er sollte die Tatsache ausnutzen, dass die Schärfentiefe bei Tele deutlich geringer ist. Er sollte deshalb auf die tatsächliche (nicht die umgerechnete) maximale Brennweite achten!
Die Fuji 602 / 7000 z.B. hat bei Tele 46,8 mm echte Brennweite. Da ist die Schärfentiefe schon deutlich geringer als bei Standard-Brennweite; z.T. nur wenige Zentimeter!
Hier drei Beispiele aus dem Vietnam-Reisebericht.
 



Bei Makro-Aufnahmen beträgt die Schärfentiefe selbst bei Hemdentaschen-Kameras  nur noch wenige Millimeter!


Bildausschnitt

Dieses Bild wurde mit lachhaften 24 mm "Tele" der Fuji F10 aufgenommen! Die rechte Flügelspitze ist schon außerhalb des Schärfebereiches!
Exakt die gleiche Schärfentiefe hätte ich übrigens auch, wenn ich das Foto mit Weitwinkel (und entsprechend kürzerem Abstand) aufgenommen hätte .... aber so dicht würde der Schmetterling mich nicht herkommen lassen! Solche Aufnahmen sind deshalb nur aus "sicherer" Entfernung möglich! Voraussetzung dazu ist, dass auch bei Tele auf rel. kurze Entfernungen eingestellt werden kann (ggf. mit "Makro").




Bezüglich "freistellen" bieten die "Superzoom-Kameras" mit großer ("echter"!) Tele-Brennweite sehr viel mehr Möglichkeiten als Mini-Kameras. Sie haben z.B. "echte" 89mm (= 420 mm).
Dabei ergeben 89 mm bei einer Digitalkamera eine erheblich geringere Schärfentiefe als man das von KB-Kameras gewohnt ist, da das Bild des extrem kleinen Sensors sehr viel stärker vergrößert wird als das etwa 40x größere KB-Negativ. (Für Fachleute: unterschiedlicher Zerstreukreis-Durchmesser)

Hier ein Beispiel, aufgenommen von einem meiner Leser am 4.8.06 mit einer Fuji S5600 und 63 mm "echter" Brennweite (umgerechnet 380mm).


Dennoch muss hier ein weit verbreiteter Irrtum ausgeräumt werden: Eine längere Brennweite (bei gleicher Sensorgröße) hat nicht grundsätzlich eine geringere Schärfentiefe!
Das nebenstehende Bild wurde mit 300 mm Tele (echte 66,7 mm) aufgenommen und der Hintergrund ist erfreulich unscharf. Hätte ich aber 200 mm Tele gewählt (und wäre entsprechend näher an meine Enkelin herangegangen), dann hätte ich praktisch den gleichen "Freistellungseffekt" gehabt! Theoretisch würde das sogar für 28 mm Weitwinkel (und eine sehr kurze Entfernung) gelten, aber dann hätte ich eine perspektivische Verzerrung des Portraits gehabt .... und meine Enkelin hätte sich nicht mehr unbeobachtet gefühlt.

Beispiel: Bei "SuperMakro" der Fuji 6500 muss man sehr dicht an sein Motiv herangehen und deshalb ist selbst bei 28mm Brennweite die Schärfentiefe extrem gering →Bildbeispiel
Wäre dieses Motiv mit 300 mm Tele aus entspr. großer Entfernung aufgenommen worden, hätte es exakt die gleiche geringe Schärfentiefe aufgewiesen.

Eine lange Brennweite ist bezüglich "Freistellen" aber z.B. dann von Vorteil, wenn ich - aus welchen Gründen auch immer -  keine Möglichkeit habe, nah genug an mein Motiv heranzukommen!

Außerdem wirkt z.B. ein Portrait vor einer Bergkulisse deutlich besser, wenn es mit 300 mm Tele aufgenommen wurde, als mit 50 mm. Auf dem ersten ist nämlich nur ein einziger Berg im Hintergrund zu sehen, beim zweiten die ganze Landschaft. Beide Hintergründe sind zwar gleich unscharf, der zweite wirkt aber unruhiger.




Einfluss der Blende

Die Schärfentiefe hängt natürlich neben der Brennweite und der Motiv-Entfernung auch noch von der gewählten Blende ab. Will ich eine geringe Schärfentiefe haben, benötige ich dazu eine Kamera mit möglichst großer Blendenöffnung (besonders bei Tele wichtig!), die ich dann manuell vorgeben kann! Viele einfache Kameras bieten beides nicht. Bei Blende 2,8 würde bereits ein schwaches Tele mit (umgerechnet) 108 mm ein wirkungsvolles "Freistellen" des Motivs ermöglichen. Aber bei fast allen kleinen Kameras ist nur minimal 4,9 möglich.
 


Wer eine einfache Digitalkamera hat, muss sich also mit der großen Schärfentiefe "abfinden" .... oder sich darüber freuen! Vielfach ist sie ja auch ein Vorteil!
Für das folgende Bild (Fuji F10; 8 mm Brennweite) benötigt man bei konventionellen Großformat-Kameras ein spezielles (kippbares) Objektiv, um auch den Vordergrund scharf abzubilden.




Die geringe Schärfentiefe bei kleinen Digitalkameras erklärt auch die bei manchen Blitzfotos auftauchenden halbdurchsichtigen Leucht-Erscheinungen. Ursache sind die vom Blitz angestrahlten Staubpartikel dicht vor dem Objektiv. Bei Kameras mit großem KB-Sensor (= längere Standard-Brennweite) sind sie außerhalb des Schärfebereichs und deshalb unsichtbar.

 


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Letzte Überarbeitung: 30.11.2007