Nikon P330 Testbericht 

URL: www.Henner.info/P330.htm

Letzte Überarbeitung: 05.06.2013

 
Nun hat auch Nikon den Markt für kleine, aber anspruchsvolle Kameras entdeckt. Der Vorgänger P310 quetschte noch 16MP auf den kleinen Standardsensor (→ Kommentar). Die P330 hat nun "nur" 12MP auf einem größeren Sensor und tritt damit gegen die S-Serie von Canon und die Panasonic LF1 an. Zielgruppe sind anspruchsvolle Käufer, die nicht mit vielen MP und Supertele protzen wollen und eine taschengängige Kamera haben wollen..
Auch die P330 bietet mehr Lichtstärke, WW und Tele als alle Systemkameras mit Kit-Objektiv.


Zunächst die Pros und Contras aus den technischen Daten:

Pro:

  • Sehr lichtstarke Optik (nur bei WW 1,8)
  • 24mm WW
  • rel. großer Sensor (1/1,7")
  • Beschränkung auf 12MP
  • CMOS-Sensor
  • Manuelle Belichtung möglich
  • Bis zu 10 Bilder/Sek. (10)
  • RAW möglich
  • Full-HD mit Stereoton
  • Zoom bei Video möglich
  • GPS zusätzlich mit "Logger-Funktion"
  • 80 ISO einstellbar (für max. Qualität)
  • Nur 5mm dicker als die S110

Contra:

  • Kein Blitzschuh
  • Kein Durchsichtsucher
  • Kein beweglicher Monitor
  • Bei Tele rel. lichtschwach
  • Rel. schwacher Akku
  • Teuer

 

Meine persönliche Meinung zu den "Contras":

Kein Blitzschuh
Einen starken Zweitblitz einzusetzen wird durch das Vorblitzsystem zusätzlich erschwert. Eine Profi-Kamera erlaubt z.B. den Einsatz eines Funk-Blitzauslösers, der in den Blitzschuh gesteckt wird. Aber auf eine oben nur 14mm breite Taschenkamera passt wirklich kein Blitzschuh. Man kann nicht alles haben ...

Kein Durchsichtsucher
Nachdem ich seit Jahren darauf verzichten musste, vermisse ich ihn (ehrlich!) jetzt nicht mehr. Lies hierzu mal meine Bemerkungen auf Seite "Monitorsucher".

Kein beweglicher Monitor
Aber dann wäre die Kamera "dicker".

Bei Tele rel. lichtschwach
Das ist unvermeidlich bei kleinen Kameras.

Rel. schwacher Akku
Mit nur 1120 mAh (gegenüber 1950 mAh der FH100) ist der Akku nur für max. 200 Bilder ausreichend. Wird GPS benutzt, reduziert sich Anzahl drastisch. Ein Ersatzakku ist unerlässlich.

Teuer
Wenn die Bildqualität in Ordnung ist, dann ist der Preis gerechtfertigt. Man spart außerdem einen separaten Geologger, der auch mit ca. 100.- zu Buche schlägt.

 


Eigene Testergebnisse

Wie bei der RX100 ist es auch diesmal ein "Ferntest". Da mein Leser inzwischen auch die P330 sein eigen nennt und sie ohnehin gründlich gegen die S100 testet, war er zu diesem ungewöhnlichen Ferntest bereit. Er hat schon bei meinem S100-Test zahlreiche Bilder (Vergleich S100 mit der G2) geliefert und da er ja eine S100 (meine derzeitige Referenzkamera) zur Verfügung hat, kann er die notwendigen Parallel-Aufnahmen machen. Er verwendete dabei seine optimalen Vorgaben (Kontr. u. Schärfe +1).

Auf dieser Seite werde ich - wie gewohnt - laufend über die aktuellen Testergebnisse berichten.

Henner, 09.05.2013

 

 

Hier beide Kameras im Größenvergleich. Links die P330, rechts die S100


Auflösung

Natürlich fehlt hier mein übliches Rathausbild, aber auch das nebenstehende Motiv kennen regelmäßige Besucher meiner Website schon. Es hat schon im Randschärfetest der S100 herhalten müssen.

Auf den ersten Blick erscheint das P330 Bild etwas brillanter und bei 1:1 auch schärfer. Das ist aber das Ergebnis der sehr aggressiven Schärfung in der Kamera. Das wird besonders deutlich an den Zweigen des Baumes.


Wenn man das S100-Bild (rechts) nachträglich schärft, ist es zwar schärfer, aber trotzdem nicht so stark überschärft wie das P330 Bild. Aber Laien empfinden überschärfte Bilder oft als "besser", da sie durch die Kantenanhebung auch kontrastreicher wirken. Das habe ich in zahlreichen Mail-Diskussionen feststellen können. Auf diesen Zug ist Nikon offensichtlich aufgesprungen.
Mit der Vorgabe "Schärfe: -1" kann die Überschärfung verhindert werden. Leider nicht in "Auto". Kontrast sollte dann auf +1 vorgegeben werden, um flaue Bilder zu vermeiden.


Hier kann noch ein
Beispiel aufgerufen werden. Es sind 1:1 Ausschnitte aus zwei Testbildern meines Testers. Links P330, rechts S100. Nach meiner Ansicht ist das S100-Bild natürlicher, nicht so extrem überschärft. Mein Tester bezeichnet das als "Matsch". Dass das S100-Bild aber gleich viele Details enthält, wird deutlich wenn man das Bild nachträglich schärft (mittlerer Ausschnitt). Diese extreme Schärfung kann aber nicht in der Kamera vorgegeben werden, nur in der P330.


Randschärfe

Das obige Motiv hat bei dem S100-Test die Randschärfeprobleme der Kamera meines Lesers aufgedeckt. Diesmal gibt es keinen so deutlichen Schärfe-Abfall, wenn auch offenbar die extreme Schärfung den Randschärfe-Abfall kaschiert. Die Bildmitte ist (über)schärfer.

Die in den Testberichten erwähnte Eckenunschärfe bei Weitwinkel wurde bei anderen Motiven überprüft. Sie ist bei offener Blende sogar bei Vollbild erkennbar, aber für ein 24mm-Zoomobjektiv durchaus noch vertretbar. Abgeblendet auf Blende 4 gibt es nichts zu meckern (Vergl. untere linke Ecke des Bildes im folgenden Kapitel). Da die Ecken-Unschärfe durch Abblenden reduziert wird, kann die kamerainterne Entzerrung nicht die alleinige Ursache sein.
Hier 1:1 Ausschnitte aus einem P330 Testbild bei Blende 1,8. (Bei 2,8 ist die Ecken-Unschärfe nicht mehr so groß und entspricht etwa dem der S100 bei offener Blende 2,0).
Links: obere linke Bildecke; rechts: oben, etwa in Bildmitte


Kontrastbewältigung

Ein solch ideales Motiv, um die Kontrastbewältigung zu beurteilen, habe ich Hannover leider nicht. Von dem von greller Sonne beschienenen weißen Rathaus bis zu schattigen Ecken ist alles vertreten. Hier haben sich beide Kameras sehr gut bewährt. Beide zeigten allerdings trotz ihres rel. großen Sensors und 80 ISO im Schattenbereich ein leichtes Rauschen.

Das P330-Bild kann hier im Original aufgerufen werden.

Hier zunächst 1:1 Ausschnitte aus dem linken Schattenbereich. Darunter Ausschnitte aus dem extrem hellen Bereich.
Beide Kameras haben keine Probleme.

 

GPS

GPS kann - wie bei der S100 - auch als Geo-Logger eingesetzt werden. (Das Canon-Programm kann das übrigens lesen). Auf dem Gebiet GPS gibt es praktisch keine Unterschiede zwischen den beiden Kameras.


Video

Video wurde nicht gründlich getestet (Schärfe und Farbwiedergabe mit Testbild, Verhalten bei schlechter Beleuchtung). Es scheint aber keinen Unterschied zur S100 zu geben.
Positiv bei schnellen Bewegungen ist "50B/Sec.", allerdings nur Interlaced.
Der Ton der P330 ist aber sehr dumpf. Kein Vergleich mit dem der S100.


Rauschverhalten

Diesmal ist es zwar eine andere Kirche als sonst, aber zur Beurteilung des Rauschverhaltens ist sie ebenfalls geeignet. Beide Kameras waren übrigens auf geringe Rauschunterdrückung eingestellt.

Bei 1600 ISO hat die S100 die Nase leicht vorn. Daran würde die um 1/3 Blende höhere Lichtstärke der P330 nichts ändern. Aber auf anderen Testbildern war die P330 etwa gleichauf mit der S100. Nicht weiter verwunderlich bei gleicher Sensorgröße und 12MP.

Falls Besitzer von Systemkameras jetzt die Nase rümpfen, sollten sie bedenken, dass die P330 durch ihre Lichtstärke mit 400 ISO auskommt, wenn ihre Kit-Objektive bereits 1600 ISO benötigen. →Tabelle der 1/3 Blendenstufen auf Seite Optik.
Oder anders gesagt: Ein Motiv, das wegen schneller Bewegungen eine kurze Belichtungszeit erfordert und bei dem die P330 trotzdem mit 1600 ISO auskommt, erfordert bei einer Systemkamera 6400 ISO. Ob die Bilder dann viel besser wären???


Makro

In den Makro-Eigenschaften gibt es keine großen Unterschiede zwischen den beiden Kameras. Min. Abbildungsbreite 5 cm gegenüber 4,3 bei der S100. Durch interne Datenaufbereitung sind die Makrofotos verzerrungsfrei.
Ich verstehe bis heute nicht, warum sich manche Tester an extrem kurzen Aufnahmedistanzen aufgeilen. →mehr

Empfehlenswert ist es auf jeden Fall, etwas weiter zurück zu gehen und eine etwas längere Brennweite zu wählen. Dann wird die Abschattung durch das Objektiv vermieden.

 

Farbwiedergabe

Beide Kameras liefern bei Automatik-Betrieb keine optimalen Ergebnisse Bei "P" ist die Farbwiedergabe aber sehr von der Belichtung und den sonstigen Vorgaben abhängig. Bei optimalen Vorgaben gibt es keinen nennenswerten Unterschied zwischen den beiden Kameras.



Verzeichnung

Die Kamera gibt sich redlich Mühe, die Verzeichnung bei Weitwinkel zu korrigieren. Aber völlig beseitigen kann sie sie doch nicht. Allerdings sieht das entsprechende Testbild der S100 auch nicht besser aus. Bei üblichen Motiven fällt die Verzeichnung aber nicht auf.
Mit RAW aufgenommene Bilder zeigen aber die Verzeichnung sehr deutlich und müssen entspr. korrigiert werden. Dadurch wird die zuvor sehr gute Eckenschärfe zwangsläufig reduziert. Aber nur das wird in meinem Test bewertet, denn entscheidend ist, "was hinten rauskommt".


Blitz

Zu Recht wird in anderen Testberichten die schwache Leistung des eingebauten Blitzgerätes bemängelt. Bei 24mm wird außerdem das Motiv nicht vollständig ausgeleuchtet. Die Automatik wählt 1/30 Sek. und 200 ISO. Das reicht nur für Nahaufnahmen.
Dass der Blitz manuell aktiviert werden muss, sehe ich allerdings nicht als Nachteil an.

 

Monitor

Bezüglich Monitor gibt es keine nennenswerten Unterschiede. Die höhere Auflösung fällt nicht besonders auf.



RAW

RAW wurde nicht getestet, aber da verlasse ich mich auf die übereinstimmenden Testberichte, die von starker Verzeichnung bei WW berichten.
Nicht einverstanden bin ich mit dem Text eines Testberichts:
: " .... der Bildwinkel ist also um einiges enger, als bei voller Ausnutzung von 24 Millimeter Brennweite (und auch enger, als es das Sucherbild zeigt)" Das Thema habe ich schon in meinem S100-Test behandelt. →RAW und DxO.

Die oft bemängelte extrem lange Speicherzeit ist leider wahr.
Sie haben die schnellsten (teuren!) Speicherchips verwendet. Da ist die S100 um Klassen besser.

 

HDR

HDR erfordert bei der S100 leider ein Stativ. Das Ergebnis ist aber eindeutig besser als bei der P330


Panorama-Aufnahmen

Mit der P330 kann schnell und problemlos ein "Schenkpanorama" erstellt werden. Wer allerdings sich die Zeit nimmt, mit dem "Panorama-Assistenten" (bei beiden Kameras möglich!) ein Panorama aus mehreren Einzelbildern zu erstellen, wird mit höherer Bildqualität belohnt. → mehr Infos


Was noch auffiel

Im Gegensatz zur S100 zeigt die P330 in den Exif-Daten die (umgerechnete) Brennweite.

Bei "Auto-ISO" zeigt die P330 - im Gegensatz zur S100 - vor der Aufnahme nicht den gewählten ISO-Wert an.

Bei Selbstauslöser ist nur ein Bild möglich. Bei der S100 bis zu 10. 3 sogar mit Blitz. Eine Funktion, die ich oft verwende.

Beide Kameras sind für "Automatik-Knipser" nicht optimal. Die Vorgabe bestimmter Werte für Schärfe, Kontras, Farbe usw. ist empfehlenswert.

Intervall-Aufnahmen sind möglich

Die P330 wählt bei WW bevorzugt 2,8 und erst bei Erreichen des vorgegeben ISO-Höchstwertes die Blende 1,8.

 


Abschlusskommentar

Wer jetzt vor der Frage steht: "P330 oder S110?", der muss sich entscheiden, was ihm wichtiger ist:
 
Eigenschaft P330 S110
 Auflösung bei 24mm *) ++ + **)
 Auflösung bei 120 *) + ++
 Rauschen bei 1600 ISO - +
 Auflösung bei 1600 ISO + +
 WLAN - +
 GPS + -
 Bild-Speicherzeit - - +
 Akku-Ladeschale mitgeliefert - +
 Blitzleistung - +
 Schwenkpanorama + -

Ansonsten sind beide Kameras sehr ähnlich. Schwacher Akku (Ersatz-Akku notwendig), "Automatik-Funktion" nicht optimal; Autofokus könnte schneller sein; P330 etwas lichtstärker (1/3 Blende), dafür dicker als die S110.

Schade, dass Nikon beim Bildspeichern so sehr patzt. Ansonsten ist die P330 eine empfehlenswerte Kamera, deren Bildqualität (abgesehen von der Eckenschärfe) mindestens mit der S110 mithalten kann.

Henner, 17.05.2013

___________________________________

*) Für die Auflösungswerte übernehme ich aber keine Garantie, dass sie für jedes Exemplar gelten. Hier gibt es leider oft sehr individuelle Abweichungen.

**) Die hohe Auflösung ++ kann auch bei der S100 durch nachträgliche Schärfung erreicht werden.

 

Achtung: Bei der letzten Überarbeitung eingefügte Texte sind grün markiert!

 


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