Monitorsucher

 

Bei Kameras mit mehr als 4x Zoom ist ein optischer Durchsichtsucher technisch sehr schwierig zu realisieren. Problemlöser ist ein Monitorsucher. Er zeigt (durch eine Lupe vergrößert) das Motiv auf einem Mini-Monitor. Außerdem sind alle Belichtungs- und Kamera-Informationen eingeblendet.

Ein Problem war anfangs die zu geringe Auflösung des Mini-Monitors. So hatte z.B. die Fuji FinePix 4900 (Urahn der S9500) nur rel. wenig Pixel, die FinePix 602 immerhin schon 180.000 Pixel; gute Kameras haben heute 235.000 Pixel.
Mit 922.000 Pixel ist der Monitorsucher der Minolta A2 auch bezüglich der Bildqualität eine echte Alternative zum Spiegelreflexsucher!

Und noch ein Vorteil:
Z.B. bei Sonnenschein ist der Monitorsucher als "Bildbetrachter" (sh. unten) dem normalen Monitor überlegen!


 

"Spiegelreflex"-Kameras mit Monitorsucher?

Woher nehme ich heute (8.3.2004) den Mut, dem Monitorsucher und dem abklappbaren Monitor auch für zukünftige Kameras mit Wechseloptik eine große Zukunft vorherzusagen?
Was spricht alles gegen einen Spiegelsucher in D-SLRs?

Contra

  • Video ist nicht möglich
  • Unauffällige Fotos sind nicht möglich (Monitor kann nicht - wie weiter unten beschrieben - als Sucher verwendet werden)
  • Konstruktionen mit abklappbaren Monitor sind sinnlos (er kann ja nicht als Sucher verwendet werden!)
  • Live-Histogramm kann nicht eingeblendet werden
  • Nur wenige Kameradaten können eingeblendet werden
  • Über-/Unterbelichtung ist vor der Aufnahme nicht erkennbar
  • "Bestätigungsfoto" kann nach der Aufnahme nicht im Sucher eingeblendet werden. (Habe ich den rechten Moment erwischt?)
  • Lautes Geräusch bei der Auslösung der Kamera (Spiegel!)
  • Langzeit-Aufnahmen können durch "Spiegelschlag" verwackeln.
  • Auslöseverzögerung durch Hochklappen des Spiegels.
  • Vergrößern der Bildmitte ("Einstell-Lupe" zur manuellen Scharfstellung) ist nicht möglich
  • Abdunkeln des Sucherbildes beim Drücken der "Abblendungstaste" (zur Beurteilung der Schärfentiefe) kann nicht elektronisch verhindert werden.
  • Sucherbild kann bei lichtschwachen Objektiven und Dämmerung nicht elektronisch aufgehellt werden. (Extrem: sogar bei Dunkelheit → F828)
  • Andere "Mattscheibe" (z.B. mit Gitternetz) nicht auf Knopfdruck möglich.
  • Kann (z.B. bei Sonnenschein) nicht zur nachträglichen Bildbetrachtung anstelle des normalen Monitors verwendet werden.
  • Der Spiegel zwingt zu Kompromissen bei der Objektiv-Konstruktion. Optimal sind nämlich Objektive, deren Hinterlinse möglichst groß und dicht vor dem Sensor ist! Solche Objektive wären kleiner, leichter und billiger.


Pro

  • Auflösung der Spiegelsucher ist  (derzeitig noch!) besser.
  • Funktioniert auch bei abgeschalteter Kamera
  • Benötigt keinen Strom
  • Wird von SLR-Fanatikern emotional bevorzugt
  • "Spiegelreflex" ist für viele Amateure - aus analogen Zeiten - noch ein Synonym für hochwertige Kameras.
  • "Klack-Geräusch" zeigt allen Umstehenden: Hier fotografiert ein Profi!

 

Wir sprechen uns in einigen Jahren wieder .....

_____________________


Nachtrag (07.04.2006)
Da ich hier gelegentlich missverstanden werde, hier noch eine Klarstellung!
Ich bin nicht bedingungslos für einen Monitorsucher, sondern gegen ein Spiegelsystem, weil es sehr viele Möglichkeiten buchstäblich verbaut (Details).
Mehr als der Monitorsucher würde mich z.B. ein beweglicher Life-Monitor reizen. Aber auch den verhindert der Spiegel!
Krampflösungen wie die von Olympus und Panasonic sind noch voller Kompromisse! Wozu ein teures Spiegel- und Prismen-System, wenn man den störenden Spiegel dann doch wegklappt? Aber trotzdem ist dann der Monitor keine vollwertige Alternative, wie bei jeder digitalen Kompaktkamera! Der Autofokus funktioniert nicht und zum Auslösen muss der Verschluss erst wieder geschlossen, der Spiegel wieder eingeschwenkt und der Autofokus aktiviert werden, bevor die Kamera endlich loslegt. Die Folge: eine extrem hohe Auslöseverzögerung von 1-5 Sekunden!

Nachtrag 04.09.2007
Jetzt gibt es endlich auch eine SLR (Panasonic L10), bei der der Sensor (bei hochgeklappten Spiegel) einen schwenkbaren(!) Monitor versorgt und sogar (wie bei Kompaktkameras) zur Scharfstellung geeignet ist. Man nähert sich immer mehr meiner "Weissagung vom 8.3.2004!
Jetzt muss nur noch das teure (und hier überflüssige!) Spiegelsystem weggelassen werden ....
 




Die Alternative zum (Durchsicht- ; Monitor-; Spiegel-) Sucher:

Der Bild-Monitor als Sucher
 

Vorbei sind heute die Zeiten, als Digitalkameras noch ein "Mäusekino" als Monitor hatten. Die großen Monitore heutiger Kameras können durchaus einen optischen Durchsichtsucher ersetzen. Außerdem sind Letztere - wenn überhaupt vorhanden - meist so winzig, dass man gar nicht in Versuchung kommt, sie zu benutzen. Offenbar dienen sie nur als (fragwürdiges) Verkaufsargument!

Zwar hat solch ein Bild-Monitor einige Nachteile gegenüber anderen Suchern:

  • Die Gefahr des Verwackelns ist erheblich größer, weil man die Kamera nicht am Kopf abstützt.
  • Wer ohne Lesebrille mehr als 30 cm Sehabstand benötigt kann Details des Motivs nicht mehr erkennen.
  • Bei schnell bewegten Motiven (z.B. Autorennen) ist das Nachführen der Kamera schwierig.
  • Er ist der schlimmste Stromfresser der Kamera. Nach 2 Stunden Monitorbetrieb ist bei manchen Kameras kein Foto mehr möglich!!
  • Grelles Sonnenlicht kann stören; besonders dann, wenn die Monitor-Oberfläche nicht entspiegelt ist.
  • Man sieht sehr unprofessionell aus, wenn man die Kamera am ausgestreckten Arm vor sich hält.

Aber es gibt dennoch gute Gründe, den Bild-Monitor als Sucher-Monitor zu benutzen:

Belichtungshilfe.
Ein Live-Monitor zeigt sofort an, ob das Bild richtig belichtet wird. Stelle ich z.B. fest, dass mein Hauptmotiv zu dunkel ist (weil der Hintergrund zu hell ist), dann schwenke ich einfach die Kamera zu einem dunkleren Bildbereich (in gleicher Entfernung!), drücke den Auslöser halb durch und schwenke zurück zu meinem Bildausschnitt. Wenn ich dann voll durchdrücke habe ich mein Wunschfoto! Die Kamera kann ja nicht wissen, worauf es mir ankommt!
Jetzt werden einige einwenden, dass ihnen das zu aufwendig ist und eine "Automatik" jede denkbare Situation beherrschen sollte. Aber warum gibt es dann wohl Motiv-Programme wie z.B. "Gegenlicht", "Schnee" usw.?

Anzeigen von Infos
Der Monitor vieler Kameras zeigt nicht nur die Belichtungswerte sondern auch viele weitere Infos an. Sogar den vom Autofokus angepeilte Bildbereich bzw. die von "fd" erkannten Gesichter!
Ein Durchsichtsucher bieten keinerlei derartige Informationen.

Waagerechtes Ausrichten
Ärgerlich ist es, wenn auf einem Bild der Horizont schief liegt und senkrechte Linien nicht senkrecht sind. Das kann man leicht vermeiden, wenn man sich einen Gitterrahmen auf dem Monitor einblenden lässt. Das bieten fast alle besseren Kameras.
Ein Durchsichtsucher kann auch das nicht!


Im Gegensatz zum Spiegelsucher und erst recht zum Durchsichtsucher könnte ein Monitorsucher bei allen bisher genannten Beispielen noch mithalten. Außerdem kann er durch seinen Dioptrien-Ausgleich das leidige Lesebrillen-Problem lösen. Aber es gibt Situationen, die nur von einem Live-Monitor bewältigt werden können:


Direkter Augenkontakt möglich
In vielen Fällen (Fotos von Kindern, Gruppenfotos, Portraits ...) nutze ich den Monitor nur, um die Kamera auf mein Motiv auszurichten (dabei gibt es auch bei grellstem Sonnenschein keine Probleme). Dann beobachte ich mein Motiv über die Kamera hinweg und warte auf den optimalen Augenblick. Direkter Augenkontakt ist dann möglich und der ist besser als jeder Monitor oder Sucher!


Aufnahmen aus ungewöhnlicher Perspektive
Selbst wenn er nicht abklappbar ist, ermöglicht ein Monitor Aufnahmen aus ungewöhnlichen Perspektiven, da man z.B. die Kamera dicht über dem Boden halten und von schräg oben auf den Monitor schauen kann.
Besonders gut ist hiefür ein Monitor, der gezielt auf "Betrachtung von oben" umgeschaltet werden kann.  Alternativ hilft auch ein "Displayspiegel" (www.bilora.de), der unter 45° hinten an die Kamera angeschraubt wird.

SLR-Besitzer müssten sich für solche Motive flach auf den Bauch legen ...



Zusätzliche Vorteile eines beweglichen Monitors

Besser ist natürlich ein beweglicher Monitor. Dabei denke ich nicht nur an Aufnahmen aus extremen Positionen (Froschperspektive, über eine Menschenmenge hinweg usw.).

Wer hat nicht schon einmal erlebt, dass sich Fremde oder Kinder sofort in "Fotoposition" begeben, wenn jemand seine Kamera wie ein Gewehr zum Zielen hochreißt und auf sie richtet? Nur wenn man scheinbar gedankenverloren in eine andere Richtung schaut, die um den Hals gehängte Kamera aber auf sein Motiv gerichtet hat und von oben auf den angewinkelten Monitor schaut, kann man in solchen Situationen "Kameragesichter" vermeiden. So eine Möglichkeit hätte ich mir beispielsweise auf meiner Chinareise gewünscht, als die beiden Kinder sofort mit ihrem Spiel aufhörten, sobald ich meine Kamera auf sie richtete.

Eine um den Hals gehängte Kamera, bei der man von oben auf den Monitor sieht, bietet einen weiteren Vorteil: Die Gefahr von Verwacklungen wird deutlich reduziert!   So war das schon bei den guten alten 6x6 Spiegelreflexkameras!
Bild: R. Heidecke mit seiner Rolleiflex

Eine interessante Alternative bietet die Samsung pro 815. Bei ihr ist auf der Kamera-Oberseite ein zusätzlicher kleiner Monitor eingebaut.

Ein voll beweglicher Monitor (klapp und schwenkbar) ist eigentlich nur für Selbstportraits notwendig. Bei dem obigen Kinderbild hätte er aber sicherlich das unauffällige Fotografieren erleichtert.
 


.... und noch zwei Hinweise:

Fragt man Besitzer von Kameras, die zusätzlich einen Monitorsucher haben (z.B. Fuji F6500), wie oft sie ihn benutzen, so wird immer geantwortet: "Ich benutze (fast) nur den großen Bild-Monitor!". Überzeugender kann nicht bewiesen werden, dass offensichtlich die o.g. Nachteile des Bild-Monitors in der Praxis keine große Rolle spielen.

Video-Kameras haben ausnahmslos einen beweglichen Monitor, den alle Filmer lieber benutzen als einen Durchsichtsucher. Warum wohl?
Es gab allerdings auch nie Kameras mit prestigeträchtigem Spielsucher ...


 

Monitor als "Bildbetrachter"

Eine wichtige Funktion (bei SLRs die einzige!) des Monitors ist, die aufgenommenen Bilder direkt nach der Aufnahme zu zeigen, um sie ggf. zu wiederholen.
Falsche Belichtung ist problemlos feststellbar (besonders, wenn ein Histogramm gezeigt wird und überbelichtete Bereiche zusätzlich blinken).
Damit man aber Verwackelungen und falsche Entfernungseinstellungen eindeutig erkennen kann, muss die Kamera das Bild gnadenlos vergrößern können. Optimal sind 10x linear, was z.B. die Ixus 400 kann! Manche Kameras (Fuji) zeigen nach dem Vergrößern (was sehr langsam vonstatten geht!) nur einen Bildausschnitt von 640 x 480 Pixeln. Wählt man als Aufnahmeformat 0,3 MP (640 x 480), dann kann gar nicht mehr vergrößert werden! Die Ixus kann das!

Canon-Kameras benötigen für das 10x Vergrößern nur 1-2 Sekunden. Elegant ist auch das schlagartige Vergrößern auf Knopfdruck (z.B. Medion-Kamera von Aldi). Die SLR 300D bietet zwar auch diese Möglichkeit, aber nur um den völlig unzureichend Faktor 2x!!

Im Gegensatz zu den SLRs bieten Bridge- und Superzoom-Kameras zusätzlich den Monitorsucher als "Bildbetrachter". Der zeigt auch bei prallem Sonnenschein ein sehr gutes Bild; besonders, wenn er eine Auflösung von über 200.000 Pixeln hat.

 


Startseite Stichworte Kameras Theorie Bi. bearbeiten Bi. betrachten

www.Henner.info
Letzte Überarbeitung:17.06.2008