Was würde ich kaufen?
 
Schon zu meinen "Analog-Zeiten" stellte sich mir die gleiche Frage: Spiegelreflex- oder Kompaktkamera?

Was nun folgt, ist meine ganz persönliche Meinung und ich würde mich nicht wundern, wenn sie bei einigen Lesern auf erheblichen Widerspruch stößt.


Meine persönliche Meinung

Wie bei fast jedem Foto-Amateur war auch für mich vor Jahren eine Spiegelreflexkamera der Inbegriff einer Traumkamera! Mit der damals brandneuen Minolta XD7 erfüllte ich mir 1977 dann endlich diesen Traum. 1988 gönnte ich mir zum Geburtstag die Minolta Dynax 7000i.
Aber nach Jahren der Spiegelreflex-Begeisterung fing ich später an, immer mehr mit kleinen Kompaktkameras, zuletzt mit der Yashica T4 (Tessar 3,5/35mm ; ohne Zoom!) zu fotografieren und meine schwere Spiegelreflex-Kameraausrüstung zu Hause zu lassen. Dabei verzichtete ich auch wieder auf die Möglichkeit, die Motive direkt durch das Objektiv zu sehen (was heute jede Digitalkamera bietet!).
Die Dias der Yashica waren zu meiner Verwunderung mindestens so gut wie die der SLR (mit 28-200 Zoom). Dann wollte ich es wissen und nahm auf die nächste große Reise (1994: USA →"Gute Fotos") bewusst beide Kameras mit. Die Spiegelreflex wurde aber nur aus dem großen Fotokoffer ausgepackt, wenn ein Motiv mit der kleinen Kompaktkamera nicht zu bewältigen war.

Ergebnis:
Nur zweimal musste die Kompaktkamera kapitulieren (als 28 bzw. 200 mm Brennweite notwendig war).


Im Digital-Zeitalter machte ich dann eine ähnliche Erfahrung! Von 2001 bis 2004 fotografierte ich mit Digital-Kameras die Zoom bis 210 mm und alle Belichtungs-Optionen hatten: Zunächst Fuji 6900 (--> "Vietnam") dann 602 (--> "China"  und Squaredance-Bilder).

Nun habe ich mal alle Bilder durchgesehen, die in dieser Zeit entstanden sind. Bei jedem habe ich mich gefragt, ob es auch mit einer Mini-Kamera mit 3x Zoom und ohne manuelle Belichtungsmöglichkeit) möglich gewesen wäre.
Natürlich ist das Ergebnis davon abhängig, was meine üblichen Motive sind. Wer z.B. überwiegend Sportfotos von Hallenhandball macht, der kann kein einziges Bild mit einer Mini-Kamera schießen!

Ergebnis:
Nur max. 5% aller meiner Bilder wären mit einer Mini-Kamera nicht oder nur beschränkt möglich gewesen. Mit der F31 wären es sogar noch weniger gewesen!

Gründe:

  • Zu wenig Weitwinkel
    Nicht immer kann man einfach zwei Schritte zurückgehen. Hier hätte ich mir schon dann und wann ein 28er WW gewünscht! Aber zur Not ging es natürlich fast immer auch mit 36 mm; manchmal mit einem "Panoramabild".
  • Zu wenig Tele-Brennweite.
    Vielfach hätten dann aber zwei Schritte (auf das Motiv zu) das Problem gelöst. Bei der Großaufnahme des Mondes natürlich nicht  :-)
    Bereits eine gute 6 MP-Kamera bietet ja praktisch ein 192 mm Tele! (Hinweis)
  • Zu wenig Lichtstärke bei Tele.
    Das wäre für die meisten Mini-Kameras das häufigste Problem gewesen. Viele meiner Telefotos sind nämlich bei Blende 3,1 und Belichtungszeiten von 1/100 Sek. und weniger entstanden ("Fernporträts", Teleaufnahmen von kleinen Tieren usw.)
    Bei Kameras mit rauscharmen 400 ASA (Fuji F31) ist dieses Problem aber (fast) aus der Welt!
  • Kein "Freistellen" mit Teleobjektiv möglich
    Mit Digital-Tele hätten einige Motive durch zu große Schärfentiefe "flacher" gewirkt als mit einem "echten" Teleobjektiv.
  • Fehlende manuelle Vorgabe von Blende oder Bel.- Zeit (A oder S)
    Das wäre wirklich nur selten ein echtes Problem gewesen! Ein geeignetes Motiv-Programm hätte fast immer genügt.
    Aber bei Blitzaufnahmen von bewegten Motiven ist die Vorgabe einer kurzen Belichtungszeit notwendig (→Hinweis) und bei Fotos mit Aufhellblitz die Vorgabe einer sinnvollen Blende. →Hinweis

    Aber z.B. die F31 bietet ja Blenden-/Zeitvorwahl.
  • Fehlende manuelle Vorgabe von Blende und Bel.-Zeit.
    Hier fällt mir wirklich nur das Mond-Bild ein. Aber 108 mm Tele hätten ohnehin nicht gereicht! Panoramabilder wären mit einem Trick möglich gewesen. Mit dem Programm PTGui sind Panoramaaufnahmen sogar ohne "Trick" möglich.
  • Hinzu kämen noch drei oder vier Videoclips mit lichtstarkem(!) Teleobjektiv
    (Peking-Oper; Squaredance-Caller ...)

Aber mind.  95 % aller Fotos wären mit meiner F31 möglich gewesen. Ganz abgesehen von der vorbildlichen Auflösung und Bildqualität der F31, die bis zu A4-Ausdrucken einen Vergleich mit den meisten Baby-SLRs nicht zu scheuen braucht!.

Außerdem hätte es sehr viele zusätzliche Bilder gegeben, weil eine kleine Kamera nicht so oft zu Hause bleibt! (Hinweis)


Sogar Aufnahmen mit einem Mini-Fotostudio (Ebay-Fotos), die früher nur mit Spiegelreflexkameras (im Bild meine Minolta XD7) möglich waren, können problemlos mit einer kleinen Kamera bewältigt werden.
Selbst bei extremen Nahaufnahmen sieht man ja exakt den tatsächlichen Bildausschnitt. Allerdings ist es dann hilfreich, wenn man an der Kamera eine kleine Blende vorgeben kann, um die Schärfentiefe zu erhöhen
.
Übrigens: Je kürzer die Standardbrennweite, desto weniger Probleme. SLRs haben hier das nachsehen!
 


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Wer nicht unbedingt auf Fernreisen kamerascheue Menschen und Tiere (Safari), den Mond usw. formatfüllend aufnehmen will, muss jetzt nicht mehr weiter lesen!


Große Kamera mit lichtstarkem Tele?

Eines ist aber unbestreitbar: für qualitativ höchstwertige Bilder (Hochzeitsfotos, extreme Tele-Aufnahmen und Ausschnittvergrößerungen, Poster usw.) stoßen die meisten kleinen "Immer-dabei-Kameras" an ihre Grenzen. Besonders dann, wenn es sich um ein Simpel-Modell oder eine schicke "Lifestyle-Kamera" handelt, die nur für Sonnenscheinfotos geeignet sind.
Dann geht kein Weg an einer (zusätzlichen) größeren Kamera vorbei, die nicht mehr in eine Gürteltasche passt.

Eine D-SLR ist allerdings nur dann notwendig, wenn bei schlechter Beleuchtung schnelle Bewegungen (Sport, Tanzen ...) in höchster Qualität einfangen werden sollen und/oder wenn wirklich extreme Weitwinkel- / Tele-Objektive oder sehr hohe Lichtstärke (Hinweis) benötigt werden.
Dafür muss man dann allerdings aus technischen Gründen (Schwingspiegel) auf die Video-Möglichkeit und oft auch auf Live-Histogramm und schwenkbaren Monitor (Hinweis) verzichten.
Eine Alternative sind die sog. Bridge-Kameras, die fast alle Möglichkeiten der SLRs bieten (bis auf Wechseloptik) und kleiner und viel billiger sind.

Nachdem ich seit Juni 2007 eine Fuji 6500 besitze, benutze ich trotzdem - wie in alten Zeiten - überwiegend die F31. Für mind. 95% aller Motive bin ich ja für meine Ansprüche bereits bestens gerüstet! Das liegt natürlich nicht zuletzt daran, dass die F31 im Bereich 36-108 mm mit den meisten Bridge-Kameras mithalten kann, was für meine alte Ixus 400 nicht gilt! Die Frage: "Schwer aber gut" oder "klein aber weniger gut" stellt sich für 95% meiner Motive also nicht!
Die große Kamera ist deshalb nur meine "Zweitkamera", die ich immer dann "mitschleppe", wenn es um die berühmten 5% der sonst nicht möglichen Fotos und Videos geht.

Interessant sind in diesem Zusammenhang auch meine Bemerkungen zum China- und Laos/Kambodscha Reisebericht!

Henner

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Letzte Überarbeitung: 09.03.2008